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Konvertiten in China: Was war nochmal Islam?

In einer Pekinger Moschee. © Kevin Schoenmakers via Flickr.

In einer Pekinger Moschee. © Kevin Schoenmakers via Flickr.

 

Terror, Gewalt, Extremismus: in diesem Zusammenhang wird auch in China über den Islam berichtet. Dennoch schließen sich vermehrt junge Menschen dieser Glaubensrichtung an. Im Netz berichten sie warum.

 

 

Offiziell ist China ein atheistisches Land. Doch gerade unter 30-Jährige interessieren sich immer mehr für Religion. Besonders große Anziehungskraft hat der Islam, wie eine Studie der Renmin Universität zeigt.

 

Dabei ist Religion für viele zunächst ein Fremdwort, wie die bekehrte Muslima „Hana“ auf ihrem Blog beschreibt:

 

Vor 2007 wusste ich überhaupt nicht, was „Islam“ ist. (…) Als ich in die Stadt Yiwu kam, sah ich von Zeit zu Zeit Frauen auf der Straße, die ganz anders als ich angezogen waren. Obwohl es ein heißer Sommer war, trugen die Frauen lange Kleider und Kopftücher. Ich fand das merkwürdig. (…) Später (…) fragte mich dann ein Araber: „Woran glaubst du?“. (…) Ja, woran glaube ich denn überhaupt? Ich konnte die Frage nicht beantworten, er sah mich an und fuhr dann fort: „Glaube, religion…Ich beispielsweise bin Moslem, und du?“ Noch mehr Fragezeichen in meinem Kopf. Moslem… was war das nochmal? Ich habe es zunächst erst einmal gegoogelt.(…) 在2007年前,我一直都不知道穆斯林 (…),来到义乌后,走在大街上,偶尔会看到穿着和我不一样的女性,即便炎热的夏天,他们还是穿着长袍,带着头巾,我很奇怪 (...) 有一天,一个阿拉伯的客户(…) 问我,你的信仰是什么,(…) 我的信仰到底是什么,看我好长时间没有回答,他继续说,信仰,religion ,比如我的信仰是伊斯兰,你的信仰是什么?又一个问号在我的脑海里出现,伊斯兰,什么是伊斯兰,我立刻百度了一下 (...)

 

Bloggerin Hana, Screenshot 01.04.2016.

Bloggerin Hana, Screenshot 01.04.2016.

Diese Bloggerin ist eine von über 20 Millionen Moslems in China. Gemessen an der Gesamtbevölkerung sind das jedoch gerade einmal 2 Prozent. Ein Großteil der Islamanhänger sind Hui-Chinesen. Sie leben im ganzen Land verteilt, während sich die zweitgrößte muslimische Minderheit, die Uiguren, im westlichen Xinjiang konzentriert.  Sie gerät immer wieder in die Schlagzeilen wegen gewaltsamer Zwischenfälle. Abgesehen davon weiß die han-chinesische Mehrheit oft nur wenig über die muslimischen Mitmenschen.

 

 

Auf Sinnsuche

 

Die überwiegend negative Berichterstattung hielt Chen Guo nicht davon ab, zum Islam zu konvertieren. In einem Interview erzählt der Han-Chinese, wie es dazu kam:

 

Chen Guo: „Ich bin mit einem Moslem zur Schule gegangen, aber mit dem hatte ich wenig Kontakt. Durch Berichterstattung in den Medien ist dann mein Interesse gewachsen.“ 陈果:第一个,是一个回民同学,但是跟他接触不深入。透过媒体,我开始对伊斯兰教感兴趣。

 

Frage: „Aber in den Medien hat der Islam meist ein negatives Image.“吴笙:但是,通常,媒体中出现的伊斯兰教,形象是负面的…。

 

CG: Die Kleidung der Muslimen und die Kopftücher haben einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen. 陈果:穆斯林穿着…的衣服,缠着头巾,给我留下了特别的感觉。

 

F: „Das Bild, das die Medien vom Islam zeichnen ist hauptsächlich negativ. Wie kann das anziehend wirken? (…) Ist es, weil Burkas geheimnisvoll erscheinen?吴笙:媒体对伊斯兰的塑造大多是负面的,怎样会吸引你呢?(...) 是因为他们穿着罩袍显得比较神秘?

 

CG: „Hauptsächlich waren es die Kultur, die Kleidung, die Schriften und die Musik.“陈果:首先是他们的文化,着装,文字,音乐。

 

F: „Finden Sie arabische Musik schöner als die in christlichen Kirchen?“吴笙:你不觉得基督教教堂里面的音乐比阿拉伯音乐更美吗?

 

CG: „Wenn ich mich nicht zuerst so intensiv mit dem Islam auseinander gesetzt hätte, dann hätte ich auch Christ werden können. (…) Ich interessiere mich auch für Kreuze und habe mir eins gekauft. Ich habe einfach eine natürliche Vorliebe für Religiöses. 陈果:如果我不是首先这么密切地接触伊斯兰,我可能就入了基督教了。(…) 我对十字架也感兴趣,我也买过十字架。我这个人天生有种宗教偏好。

 

F: „Vielleicht suchen Sie ein Gefühl geweiht, geheimnisvoll, überlegen zu sein. Sie möchten sich wohl von der Masse unterscheiden.“吴笙:也许你想追求一种神圣感,神秘感,优越感,想与众不同吧。

 

CG: „Seit ich ein Kind war, haben ich mir gewünscht, fliegen zu können. Ich möchte das Gewöhnliche hinter mir lassen.“陈果:我想飞呢,我从小喜欢幻想,我想脱离平凡。

 

Wie ein weiterer Islam-Konvertit aus der südchinesischen Stadt Wenzhou berichtet, war auch er auf der Suche:

 

Mit 17 wurde ich verschlossen und dachte oft darüber nach, welchen Sinn das Leben hat. Ich konnte aber lange keine Antwort finden. (…) Bis ich 2011 nach Malaysia fuhr. (…) Unterwegs habe ich sehr viele Menschen getroffen, denen es Freude machte, anderen zu helfen. Sie (…) halfen auch mir sehr. Letztlich auf den Weg der Religion brachte mich Daud, ein Hostelbesitzer, der ursprünglich aus Singapur stammt. (…) Damals, als ich erfuhr, dass er ein Moslem ist, war mein Wissen um diese Religion auf Terrorismus beschränkt. Ganz unverblümt sagte ich ihm auch, was ich vom Islam hielt. Daud war aber nicht wütend. Er sagte einfach: „Wenn man etwas nicht kennt, ist es einfach darüber zu schimpfen“. (…) Nachdem ich wieder in China war, hörte ich auf Schweinefleisch zu essen. (…) Übers Internet blieb ich mit Daud in Kontakt. Zum besseren Verständnis fing ich an, Informationen zum Islam zu suchen. (…) (Nun) ist der Islam für mich ein Leuchtturm. (…) Ich schätze mich selbst sehr glücklich.(...) 我从17岁那年开始,变得忧郁沉默,常常去想人为什么而活着?一直在思考也一直找不到答案 (...)直到2011年(…)马来西亚之旅。 (...) 一路上我遇到了很多助人为乐的马来人,他们 (...) 帮了我很多忙。(...) 而真正促使我走上信仰之路的,是一位新加坡籍的马来客栈老板Daud (...) 我才得知他是穆斯林 (...) 我对穆斯林的认知程度只限于恐怖主义。当时我没礼貌地告诉他我对伊斯兰的看法。Daud并没有生气,只是淡淡地说:“人们对自己不知道的事物说坏话总是比较容易的。” (...) 回国后我就不吃猪肉了(...) 我在网上与Daud保持联络,并开始搜寻资料去了解伊斯兰(...) 有了伊斯兰,我的人生就像有了一座灯塔。(…) 我觉得自己真是太幸运了!(...)

 

Chinas Islam-Konvertiten kommen auf unterschiedliche Weise mit der Religion in Kontakt. Gemeinsam haben sie, dass ihnen die offizielle Staatsdoktrin nicht alle ihre Fragen beantwortet. Ein Weibo-Nutzer, der vor zehn Jahren konvertierte, stimmt dem ebenfalls zu:

 

Sehr viele kritisieren die heutigen Moslems und ich muss zugeben, ein Teil der Kritik ist berechtigt. Gleichwohl finde ich allerdings, dass das überhaupt nicht die Schuld des Islam ist. Wenn es den Islam nicht gäbe, wäre die Einstellung von vielen Menschen noch schlimmer.很多人批判当代社会穆斯林的行为, 我承认很多的批判是对的。但是,我同时认为,这一切都不是伊斯兰的错, 如果没有伊斯兰教,很多人的行为会更加糟糕。

 

Zum Weiterlesen

 

Liao Yiwu: “Im Griff des Goldes”, FAZ, 21.12.2015.

 

Lisa Krauss: „„Wie in der Kulturrevolution“: Chinas Netizens diskutieren über die Terrorgruppe IS“, Stimmen aus China, 25.03.2015.

 

China und Religion: Stimmen aus China.

 

Beitragsbild:  © Kevin Schoenmakers via Flickr.

 

 

 

„China matters: Ein Informationsportal für die Zivilgesellschaft“, mit freundlicher Unterstützung durch die Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen

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