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Yading: Ein Weg ins Paradies

Am Horizont der Xiannairi-Gipfel; (c) Hans Johnson via flickr tinyurl.com/ycpg7jzu

Am Horizont der Xiannairi-Gipfel; (c) Hans Johnson via flickr tinyurl.com/ycpg7jzu

Schneegebirge, Urwälder, buddhistische Siedlungen – seit den 1930er Jahren ist das fernöstliche Utopia Shangri-La Traumreiseziel von Europäern. Viele glauben an die Existenz des Paradies-gleichen Shangri-La, das der britische Schriftsteller James Hilton im Roman Lost Horizon beschrieb, ohne selbst je dort gewesen zu sein.

 

Seit seiner Erstveröffentlichung in den 30er Jahren erfreut sich der Roman Lost Horizon  ungebrochener Beliebtheit.

 

Angeblich ist das Vorbild für das literarische Werk ein kleines Dorf, dessen Bilder von einem westlichen Botaniker 1931 im National Geographic Magazine veröffentlicht wurden. Dieses Dorf heißt Yading und befindet sich im Kreis Daocheng in der an Tibet grenzenden Provinz Sichuan, auf immerhin 3.700 Metern Höhe. Netizen Campherbaum berichtet auf der Touristikwebsite Mafengwo vom Ursprung des Ortsnamens.

 

… „Yading“ heißt im Tibetischen „zur Sonne gerichteter Ort“. In diesem Dorf gibt es nur 28 Haushalte und nicht mal 200 Einwohner....亚丁在藏语里意为“向阳之地”,村寨里只有28户人家,不到200人。

 

Heute pilgern vor allem Fotografen und Wanderer nach Yading. Das Naturschutzgebiet Yading befindet sich südöstlich auf dem Qinghai-Tibet-Plateau und gehört zur autonomen tibetischen Region Ganzi. Dort wandern Touristen entlang einem schönen, aber steinigen Wanderweg und gehen u.a. am Chonggu-Tempel, dem Luorong-Bauerhof und dem Milchsee vorbei.

 

Pittoresk, aber anstrengend: Wanderwege in Yading; Quelle: tinyurl.com/y6vmoo3h

Pittoresk, aber anstrengend: Wanderwege in Yading – Quelle: tinyurl.com/y6vmoo3h

 

Der Weg ins Paradies ist offensichtlich nicht leicht, wie Durchgegangenes Wildpferd auf ihrem Reiseblog schreibt:

 

In Ehrfurcht ging ich auf dem Weg zu den Schneegebirgen Yangmaiyong. Ich fühlte mich körperlich unwohl. Aber das alles sah ich als Herausforderung, durch die man sich den Göttern annähern kann. Von der 4.100 Meter hohen Luorong-Alm bis zum 4.600 Meter hohen Wuse (Fünf-Farben)-See muss man ja eigentlich nur 500 m aufsteigen. Aber in diesem Hochland muss man schon alle drei Schritte eine Pause machen. Viele lassen sich abschrecken und kehren auf halbem Weg zurück.保持着敬畏之情去攀爬亚丁央迈勇雪山的垭口,能把一切身体上的不适看成是为了接近神明应该接受的考验。从洛绒牧场海拔4100米爬升到五色海4600米的高度,看上去仅仅五百米的落差,在高原之地可以让人三步一歇,甚至不少人中途便放弃折返,被神山吓退。

 

Wuse-See im Oktober; Bildquelle: https://www.mafengwo.cn/i/5316330.html

Wuse-(Fünf Farben-)See im Oktober –                                Bildquelle:                                                   https://www.mafengwo.cn/i/5316330.html

 

Wanderer Xinfenghai erzählt von einer unangenehmen Erfahrung während seiner Tour:

 

In dem Naturschutzgebiet gibt es nur zwei Servicezentren, im Chonggu-Tempel und beim Luorong-Bauernhof, wo Nahrungsmittel verkauft werden. Aber da sind die Waren sehr oft ausverkauft. Ich habe genau den Fehler gemacht und hatte nichts zu Essen dabei. Während der 7,5-stündigen Wanderung bin ich fast verhungert!... 景区里面只有冲古寺服务中心和洛绒牛场服务中心有吃的卖,而且经常性缺货,我就犯了没有带干粮的错误,空腹徒步7.5小时,饿得死去活来呀!

 

Insgesamt hat Yading sehr variantenreiche Landschaften zu bieten – vom Flusstal Gongga贡嘎河口auf 2.900 m Höhe bis zum Gipfel Xiannairi仙乃日峰 auf 6.032 m über dem Meeresspiegel. Obwohl viele sich über die mühsame Reise beschweren, zeigen sie sich von der wunderschönen Landschaft bezaubert. Netzbürger Bobo fängt seine Eindrücke in geradezu lyrischen Worten ein:

 

Entlang des Tals sind alle Wiesen und Wälder golden gefärbt. Es mischen sich dunkelrote und rote Farben. Wenn man aus der Ferne auf die Wiesen blickt, sehen sie so weich wie Schafswolle aus. … Der Milchsee. Er ist so kristallklar wie ein Stück Jade, das rings von milchweißen Bergen umgeben ist.沿着河谷,草甸、树林一片的金色,交错的还有些深红、大红色,尤其是这草甸,远看都觉得绒绒的,好似羊毛般松软。...牛奶海。湖水犹如翡翠般玲珑剔透,四周环绕着的是乳白色的山体。

 

Der anstrengende Wanderweg und die bezaubernde Landschaft Yadings finden sich in einem Sprichtwort verewigt: „Der Körper ist in der Hölle, aber die Augen sind im Paradies.” 身体在地狱,眼睛在天堂。 Ganz unromantisch hingegen setzen Lokalregierungen in Chinas Südwesten auf die Einkommensmöglichkeiten durch den Tourismus: Mehrere Orte wurden im Laufe der Jahre als das vermeintlich echte „Shangri-La“ ausgewiesen. Zuletzt benannte sich im Jahr 2001 der Kreis Zhongdian in der Provinz Yunnan in Shangri-La-Kreis um. Somit gibt es für abenteuerlustige Reisende heute in China viele Wege ins Paradies zu entdecken.

 

Zum Weiterlesen/-schauen:

 

Scott Wallace, Journey to Shangri-La: The Magic of China’s Secret Kingdom, National Geographic Traveler, Ausgabe Februar/März 2014.

 

 

 

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