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Junge Menschen in China, Taiwan und Hongkong: Der Alltag ist bunt!

Individualität - äußerlich und innerlich. http://www.conbook-verlag.de/buecher/chinakinder/

Individualität - äußerlich und innerlich. http://www.conbook-verlag.de/buecher/chinakinder/

Jörg Endriss und Sonja Maaß präsentieren mit ihrem Buch „CHINAKINDER – Moderne Rebellen in einer alten Welt“ ein buntes Panorama, das der Themenvielfalt von Stimmen aus China sehr nahekommt. #SAC hat das Buch rezensiert.

 

Wie kann man die Vielfalt einer Gesellschaft am besten verdeutlichen? Nicht zuletzt aufgrund der Darstellung in den Mainstream-Medien werden „Chinesen“ im Ausland immer noch weitgehend als sehr homogene Gruppe wahrgenommen. Die beiden AutorInnen haben sich in China, Taiwan und Hongkong auf den Weg gemacht und über Zufallsbegegnungen wie auch durch Recherche ein breites Spektrum an Interviewpartner ausgewählt.

 

Die Portraits zeigen, wie groß mittlerweile der Spielraum für sehr individuelle Lebenswege ist, obwohl das politische System und die kulturelle Bedingungen weiterhin den Rahmen vorgeben. Dass diese Unabhängigkeit oft nur durch erheblichen persönlichen Einsatz möglich ist, wird allerdings auch deutlich. Während einige Interviewten anonym bleiben wollten, teilt zum Beispiel ein junger Arbeiter namens Ran Qiaofeng, der eine Online-Gedichtplattform gegründet hat, ohne Bedenken seine kritische Einschätzung zum Arbeitsrecht mit:

 

„Protestieren bringt meist nichts. Wenn Du Deinen Lohn nicht bekommst, bei wem willst du dann protestieren? (…) Manchmal hat man den Eindruck, dass das Arbeitsrecht nur ein Stück Müll ist. Es ist nutzlos, im Gegenteil: Manchmal wenden sie es noch gegen dich an. (…) Niemand berichtet darüber, niemand hilft den Leuten, ihre Löhne einzufordern. Das macht mich wirklich wütend.“ (S. 389)

 

Der Arbeiterdichter xxx, Foto © Jörg Endriss und Sonja Maaß

Der Arbeiterdichter Ren Qiaofeng, Foto © Jörg Endriss und Sonja Maaß

 

 

Die AutorInnen lenken über die Interviewfragen die Aufmerksamkeit nicht allein auf die Arbeitsbedingungen in China, wo schwelende Konflikte das Land seit dem wirtschaftlichen Aufschwung beschäftigen, sondern besonders auf die persönlichen Lebensumstände der ArbeiterInnen. Zwei Homosexuelle in Shanghai, die Gründerin einer Ökofarm und eine ihre Tochter heimerziehende Mutter – alle Portraitierten berichten dem Autorenteam von prägenden Erfahrungen und ihrer persönlichen Haltung.

 

Der schwule Student Yuan Tang lässt den Leser seine Meinung zu der im chinesisch-sprachigen Raum seit Jahren anhaltenden Debatte über Homosexualität wissen:

 

„Mein Coming-out hatte ich in der zehnten Klasse. (…) Heute denke ich, dass mein Coming-out nicht notwendig gewesen wäre. Ein Freund von mir meint, dass das Coming-out in einigen westlichen Ländern eher ein Teil einer politischen Bewegung ist. Aber in China ist es noch keine Bewegung. Es ist im Moment einfach ein Kampf, den jeder für sich alleine kämpft. (…) Ich habe jetzt zwei Freunde. Beide sind jüngere Kommilitonen. Wir führen offene Beziehungen und würden so etwas wie heiraten gar nicht wollen.“ (S. 185)

 

Ein Vor- und ein Nachwort, individuelle Einleitungen vor jedem Portrait sowie ein Glossar helfen dem Leser, sich in die diskutierten Themen einzufinden. Insgesamt ein sehr lohnenswertes Buch für alle, die sich – wie #SAC – auf die Suche nach alternativen Eindrücken vom Alltagsleben in China, Hongkong und Taiwan machen wollen.

 

 

Zum Weiterlesen:

 

Jörg Endriss, Sonja Maaß, CHINAKINDER, Moderne Rebellen in einer alten Welt, Conbook Verlag 2017.

 

Liu Yijia, Allein: Chinas Einzelkinder und ihre sorgenvolle Gegenwart, 9. Dezember 2016.

 

Florian Jung, Individualisierung des chinesischen Abiturs – bessere Bildung durch Gaokao-Reform?,  29. September 2014.

 

Liu Yanyan, Tattoos in China: Von Toleranz und Vorurteilen, 22. November 2016.

 

 

 

 

Kategorien: Allgemein, Gesellschaft, Kultur, Politik, Tags: , , , , . Permalink.

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