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Migration in China: Vom Dorf in die Stadt

Felder in der Provinz Jiangxi. Foto: The New Citizen of China via Wikipedia.

Felder in der Provinz Jiangxi. Foto: The New Citizen of China via Wikipedia.

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Auf der Suche nach Arbeit und Ausbildung verlassen viele Chinesen ihre ländliche Heimat und gehen in die großen Städte. Das ist für sie oft nicht einfach. Über Anpassungsschwierigkeiten und Heimweh tauschen sich die Migranten dann im Netz aus.

 

Städter werden ist nicht leicht

 

Chinas Landbewohner sind durchaus stolz auf ihre Herkunft und können sich nicht immer mit den Werten der Städter identifizieren. Netizen „zhao1yujie“  berichtet etwa:

 

Die ersten 15 Jahre meines Lebens habe ich auf dem Land verbracht, die letzten 13 Jahre in der Stadt. Obwohl ich viele Denkweisen der Stadtmenschen teile, werde ich im Herzen für immer meine ländliche Herkunft in Ehren halten. Mein größter Herzenswunsch ist es nicht, viel Geld zu verdienen, sondern war es schon immer, eine gute Ehefrau (…) zu heiraten, die mich wirklich und von ganzem Herzen liebt.(…)一生前十五年在农村度过,后十三年在城市度过,虽然我有这城市人的许多想法但是我的心永远尊重我的农村人出身。我最大的心愿不是能挣多少钱,而一直都是能娶一个真正真心爱我(…)的好妻子(…)。

 

Andererseits möchten die Landbewohner auch zur weltgewandten Stadtbevölkerung dazugehören. Für Städter „Der Mönch mit dem schiefen Grinsen kann den Kanon lesen“  ist dies aber weniger Integration als Selbstverleugnung:

 

Manche Landbewohner in den Städten können durch das Studieren des Lebensstils und des Gebarens der Städter verschleiern, dass sie vom Land kommen. Und warum wollen sie es verschleiern? Weil der Begriff „Landei“ sehr aufgeladen ist mit Symbolik. Um die mit dem Status eines „Landeis“ verbundene Diskriminierung zu vermeiden, versuchen die meisten, zu Städtern zu werden oder sich zu verstellen. 有一些农村人进到城里会通过学习城市人的生活方式和言谈举止来掩饰自己是农村人这个事实,为什么要掩饰?因为“乡下人”这个词代表了很多象征性的认知,为了避免因“乡下人”这个身份而产生的歧视,大多人会选择成为或是伪装成城市人(…)

 

Wie das im Alltag aussieht, zeigt Netizen „Tang Xijun Terry“:

 

Am Nachmittag hat mich jemand Landbewohner genannt. Da beeilte ich mich gerade, die letzte Verbindung aus unserem Dorf in die Stadt zu erwischen, um mal das Stadtleben zu genießen. Ich esse zum ersten Mal Pizza, ich bin ganz nervös. Wie kann ich nur so tun, als ob ich das ganz häufig esse? 下午有人说我是 农村人 当时就赶着俺们村的最后一班车进城 去享受一次城市人的感觉 第一次吃披萨 好紧张 怎么才能装作经常吃的样子?

 

Shanghai. Foto: Ricky via Wikipedia.

Shanghai. Foto: Ricky via Wikipedia.

 

Wie sieht es in den Dörfern aus?

 

Einige Netizens bescheinigen der Reformpolitik durchaus positive Auswirkungen auch auf Teile des Landlebens. So erzählt Weibo-Mitglied „Die Bitterkeit des Cappuccinos“ stolz von der zunächst erfreulichen Entwicklung ihrer Heimat:

 

Seit der Reform und Öffnung leben die einfachen Bürger durch eigene Anstrengungen immer besser. Besonders seit in den letzten Jahren die nationale Politik größeren Wert auf die ländliche Entwicklung legt (…). Straßen wurden repariert, Wasserbauprojekte sind aufgeblüht und Familien haben Mobilfunk- und Breitbandverbindungen. Früher haben Landbewohner die Städte beneidet, heute beneiden alle Städter, die hierherkommen, aus tiefstem Herzen unsere Lebensumgebung. (…) 改革开放以来老百姓们通过自己的努力,生活的越来越好,尤其是最近几年国家政策更重视农村发展 (…)修公路,兴水利,移动,宽带通道家。以前农村人羡慕城市,现在城市人来到这里都从内心羡慕我们的生活环境。(…)

 

Die schöne Umgebung scheint allerdings auch ungebetene Gäste anzuziehen, von deren  „Modernisierungsstrategien“ die Bevölkerung nicht profitiert, wie die Weibo-Userin weiter schreibt:

 

Diese skrupellosen Immobilienentwickler machen mit korrupten Regierungsbeamten gemeinsame Sache. Sie nutzen die Ahnungslosigkeit der schwachen Landbevölkerung aus, um uns aus der Heimat unserer Vorfahren zu vertreiben und selbst stinkreich zu werden. Alle Mühe, die wir in unsere herrliche Umgebung und unser glückliches Leben hier gesteckt haben, ist so umsonst gewesen. (…) 这些无良开发商勾结政府腐败官员想利用弱势农民的无知把我们赶出祖居的地方大发横财,让我们来之不易的美好环境幸福生活付之东流。(…)

 

Es gibt aber noch ein anderes Problem: Noch so viele Investitionen in die Infrastruktur helfen nichts, wenn keine ertragreichen Jobs und guten Ausbildungsmöglichkeiten vorhanden sind, gibt Netizen „Ein Mensch one city” in Antwort auf einen Weibo-Post  zu bedenken:

 

Die Landhäuser in meinem Geburtsort sind alle sehr schön renoviert, aber heute gehen die meisten in die Stadt, um Wohnungen zu kaufen. Außer zum Neujahrsfest, wo im Ort Stimmung herrscht, sind nur Senioren übriggeblieben. Außerdem ist die Dorfgrundschule quasi geschlossen, zur Schulausbildung schicken alle ihre Kinder in die Stadt. Fast alle arbeiten in der Stadt, aufs Land kann man nur gelegentlich zurückgehen, um sich ein paar Tage auszuruhen. 我老家农村房子都修得很漂亮,但几乎现在大多数都到城里买房了、除了过年有人气、只剩下老年人、而且农村的小学基本关闭了、读书都把孩子送进城、工作几乎都在城市、农村只能偶尔回去休息几天.

 

Einen positiveren Ausblick gewährt „Östlicher Bruder forever“ mit seiner Replik auf den selben Post. Hier macht er auch auf langfristig erfolgreiche Modernisierungsstrategien aufmerksam:

 

In vielen Dörfern wohnt man in villenähnlichen Häusern; diese Dörfer haben ihre eigenen Joint Ventures, an denen jeder einzelne Landbewohner eine Gewinnbeteiligung hat (…). Manche guten Dörfer bauen selbst und werden zum Urlaubsdorf oder Altenpflegedorf, das lockt nicht wenige Städter wieder zurück. (…) Ich hoffe, dass sich das gesamte Land so entwickeln kann. (…)很多农村现在住的如同别墅,农村自己有自己的合资企业,农民人人有分红(…). 有的好的农村建设,自身就成了旅游村或者养老村,吸引不少城市人回来. (…) 希望所有农村都能如此发展吧

 

Sicherlich werden sich diese Optionen nicht für alle Dörfer anbieten. Erfinderisch müssen sie aber anscheinend sein, um auf lange Sicht dem Sog der Städte etwas entgegensetzen zu können.

 

Zum Weiterlesen

 

Reform der Landnutzungsrechte in China: Ein Geschenk an die Landbevölkerung?

 

 

Weibo der Woche #8: Arm? Selbst Schuld!

 

Enteignung für eine Touristenattraktion – Ein chinesisches Dorf protestiert

 

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