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Migration: Chinesen in Afrika

Gambia: Auch für Chinesen eine andere Kultur. Foto: Ikiwaner via Wikipedia

Chinesen eine andere Kultur. Foto: Ikiwaner via Wikipedia

Seit vielen Generationen wandern Chinesen nach Afrika aus. Viele bleiben nur solange dort, bis ihre Arbeit getan ist, einige lassen sich länger nieder. Das Leben auf dem fernen Kontinent beurteilen sie oft mit gemischten Gefühlen.

 

„Ich fühle mich genauso als Afrikanerin wie als Chinesin“, sagt Lu Cheng in einer BBC Dokumentation über das Leben der Auslandschinesen in Afrika. Ihre Eltern sind vor vielen Jahren nach Afrika gekommen und sie selbst ist dort aufgewachsen. Sie unterscheide sich zwar äußerlich und in ihrer Familie gebe es andere Wertevorstellungen als in den afrikanischen Familien, aber das sei okay.

 

In mehreren Wellen sind mittlerweile bis zu einer Millionen Chinesen nach Afrika ausgewandert und haben sich in unterschiedlichen Ländern  niedergelassen. Nicht alle davon sind so gut integriert wie Lu Cheng. Gerade in der ersten Generation, die meistens aus wirtschaftlichen Gründen in die fernen Länder gelangt, ist Integration oft schwierig und wird auch gar nicht angestrebt.

 

Afrikanischer Alltag

 

Obwohl Chinesen schon seit Jahren in Afrika wohnen und mit der ersten Migrationswelle Ende der Achtzigerjahre zur Kleiderproduktion gekommen sind, fühlen sich viele dennoch in Afrika nie zuhause.

 

„Sie empfinden Afrika von Anfang bis Ende ihres Aufenthalts als fremdes Land, aus dem sie eines Tages, nachdem sie dort ausreichend Geld verdient haben, nach China zurückkehren werden他们始终觉得在非洲是客居他乡,早晚有衣锦还乡的一天。“, schreibt die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua.

 

Außer dass eine kulturelle und sprachliche Anpassung nur in wenigen Fällen sattfindet, spielen auch Mängel im täglichen Leben eine Rolle. So ist für viele die Deckung der alltäglichen Bedürfnisse ungenügend. Über ihre Kindheitserfahrungen im Afrika der 1990er Jahren schreibt Netizen Zhang Yueli, dass es bezüglich  Wohnsituation und Trinkwasser, aber auch in allen anderen Lebensbereichen Probleme gegeben habe.(那时是九几年的时候)住房,饮水,各种各样的困难.

 

Genauso bemängelt Zhihu- Nutzer „Wo sind all die guten Englischsprecher hin“, der für eine Weile Zambia gelebt hat:

 

„Sehr häufig hat es Stromausfall gegeben. Jede Woche ist drei Mal der Strom für drei bis acht Stunden weg gewesen. Zum Duschen mussten wir eine Kerze anmachen, aber das war wenigstens noch einigermaßen romantisch.“经常停电 平均每周停电3次 每次持续3-8小时 停电时洗澡需要点蜡烛 还是蛮浪漫的

 

Chinesisches Expat-Leben

 

Bei der Entscheidung, sich möglicherweise nicht auf unbestimmte Zeit in Afrika niederzulassen, ist auch die politische und wirtschaftliche Sicherheit von Bedeutung. So erzählt Netzbürger „Go back home/Rock’n’Roll

 

“Ich habe mich eine kurze Zeit im Stammesgebiet der Mursi (Anm.: Stamm in Äthiopien) aufgehalten. Der Stamm in dieser Gegend war sehr rückständig. Viele Stammesmitglieder trugen jedoch Schusswaffen. Bei einer Auseinandersetzung wurden alle Insassen eines Autos von den Stammesmitgliedern getötet. Die Insassen waren von einer Firma, mit der wir dort kooperierten. Auch bewaffnete Überfälle waren in dieser Gegend gang und gäbe und so brachte man sich bei jedem Einkauf in Lebensgefahr.“我在一个位于唇盘族领地的项目待过一段时间,这个极度不开化的民族持枪率偏偏很高,和我们合作的本地公司因为冲突死了一车人,持枪拦车抢劫更是家常便饭,所以每次出门采购的时候都承担着死亡的威胁。

 

Außerdem würden Chinesen in den Augen der Afrikaner immer fremd bleiben, bemängelt „Wo sind all die guten Englishsprecher“ hin:

 

Die Afrikaner werden Chinesen niemals als gleichwertig ansehen.当地人永远不会平等地看待中国人

 

Jedoch können viele Chinesen, auch wenn sie sich kein Leben in Afrika auf unbegrenzte Zeit vorstellen können, der extremen Erfahrung etwas Positives abgewinnen.

 

“ Die kurze Erfahrung in Afrika hat nicht nur meine Wertevorstellungen und meine Sicht auf das Leben beeinflusst, sondern auch meinen Werdegang.“在非洲的这段经历,不仅影响了我的价值观,人生观,更是影响了我的人生轨迹。 , schreibt Zhang Yuelin.

 

Durch die großen Unterschiede zwischen den afrikanischen Ländern sind natürlich auch die Erfahrungen der Expats sehr unterschiedlich. Bei vielen, die im Zusammenhang mit den chinesischen Investitionsprojekten nach Afrika gekommen sind, überwiegen die guten Erfahrungen. So erinnert sich zum Beispiel Internet-User Liu Bin an seine Zeit in Afrika:

 

Meine Jahre in Afrika werde ich nie vergessen. Ich habe dort auch einige chinesische Freunde gehabt. Die meisten von denen sind auch nach China zurückgekehrt und leben nun ruhig und ungestört. „Afrika“ ist für uns Veteranen der Telekommunikationsbrache eine Jugenderinnerung. Chinesen haben einen großen Beitrag zu Afrikas Telekommunikation geleistet. Sie sind der Stolz chinesischer Firmen und des ganzen Landes.关于非洲那些年的生活,是我一生的记忆,当年的一帮兄弟,大多数也都回国,安顿下来,安安静静的过日子。(…)“非洲”曾是我们一帮通信老兵的青春记忆。(…) 这些人为非洲的通信事业做出很大的贡献 (…)这是中国企业的骄傲,中国人的骄傲。

 

Zum Weiterhören:

 

Podcast mit Eric Olander, Cobus van Staden, Yoon Jung Park: “As Economy Worsens, Chinese Migrants in Africa Confront New Challenges“, China File, 07.03.2016.

 

Zum Weiterlesen:

 

Stiftung Asienhaus: Chinesische Arbeitswelten – in China und in der Welt

 

China und Afrika, Stimmen aus China.

 

Beitragsbild: Ikiwaner via Wikipedia.

 

Kategorien: China Global, Tags: , , . Permalink.

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