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Auf zu neuen Ufern: China eröffnet Marinebasis in Afrika

Soldaten auf dem chinesischen Militärschiff Zheng He auf Freundschaftsmission in
der Welt. Foto: Royal New Zealand Navy via Flickr (https://goo.gl/JTTnUP)

Soldaten auf dem chinesischen Militärschiff Zheng He auf Freundschaftsmission in der Welt. Foto: Royal New Zealand Navy via Flickr (https://goo.gl/JTTnUP)

Nach großen Investitionen in die weltweite Schifffahrt, steht China kurz davor seinen ersten Marinestützpunkt im Ausland zu eröffnen. In den Staatsmedien wird dies als großer Erfolg gefeiert. Doch was halten Chinas Netizens davon?

 

Nachdem China bereits am Anfang des 15. Jahrhunderts Schiffsexpeditionen bis nach Ostafrika wagte, schickt es sich 600 Jahre später scheinbar wieder an, auf zu neuen Ufern der Weltmeere zu segeln.

 

Chinesische Staatsunternehmen investieren seit Jahren Milliardenbeträge in Häfen rund um den Globus. Nun hat Peking neben seinen kommerziellen auch die militärischen Ambitionen untermauert: China schickte die ersten Militärschiffe in Richtung Horn von Afrika, um dort einen Marinestützpunkt in Übersee einzuweihen.

 

Mit Pauken und Trompeten

 

Diese Eröffnung wurde in den chinesischen Staatsmedien mit großer Fanfare begleitet. In der Global Times heißt es in einem Leitartikel dazu:

 

Dies kann als Durchbruch der Marinestützpunkte in Übersee der Volksbefreiungsarmee angesehen werden, und hat deshalb soviel Aufmerksamkeit bekommen. (…) Das Grundziel der Entwicklung der Militärkraft unseres Landes ist die Garantie der „Sicherheit Chinas“.这是解放军海外基地零的突破,因而受到诸多关注。(...)中国发展军力的根本 宗旨是保障“中国的安全”(...)

 

In sozialen Netzwerken und Foren findet man diesbezüglich eine breite
Zustimmung. Nutzer „Kriegsgott“ schreibt mit großem Eifer:

 

China muss Auslandsmarine-Stützpunkte besitzen, wenn es wieder zu altem Glanz zurückfinden will. Und es muss noch mehr davon bauen! Es darf sich nicht von der trügerischen Meinung des Westens beirren lassen und sollte seinen eigenen Weg gehen!战神.战略家贵州省网友 中国要成为复兴大国必须海外建基地!还要建更多!不要受西方舆论忽悠影 响!走自己路!

 

Neben einem oftmals erwähnten rechtmäßigen Anspruch auf Militärbasen im
Ausland findet man vor allem zwei wiederkehrende Argumente im Netz: die
Sicherheit der chinesischen Bürger und die Wirtschaftsinteressen Chinas:

 

Ich denke, dass wir nicht unser ganzes Leben lang wie ein Strauß den Kopf in den Sand stecken können, wenn es um die Wahrung nationaler Interessen im Ausland und um die Sicherheit der Überseechinesen geht. Wir werden dies auch nicht tun. Der Schiffs-Konvoi im Golf von Aden und die Militärbasis in Dschibuti sind nur der erste Schritt…(...) 我在想,为了国家的海外利益和侨民安全,我们不能当一辈子鸵鸟…… 我们也不会当一辈子鸵鸟,亚丁湾护航和吉布提军事基地都只是第一步……

 

Mehr Sicherheit dank China?

 

Im Vergleich zu anderen Sicherheitsthemen ist die Vielzahl der fast ausschließlich positiven Kommentare in den sozialen Netzwerken sehr verwunderlich. Doch man findet hier und da auch hinterfragende Meinungen:

 

Im Inland fokussieren sich die Medien auf den Kampf zwischen den USA und Russland in Syrien (…) In englischen Medien aber warnt man: China ist im Mittleren Osten angekommen (und hat bereits eine Auslandsmarine-Basis aufgebaut), wieso bereitet das niemandem Sorgen? Ist China etwa der sich freuende Dritte?在国内媒体盯着美、俄在叙利亚博弈拼命吸引眼球之时。作为老牌帝国的英 国的媒体却在提醒:中国正在进入中东(已在吉布提建立海外基地),怎么 没有人担心?网页链接围观 难道中国真是躲在螳螂和蝉后面的黄雀吗?

 

Ein starkes China könnte sich auch negative auf die regionale Sicherheitslage
auswirken, führt ein anderer Nutzer an:

 

Das Militär ist nun permanent in Dschibuti und hat einen Hafen im pakistanischen Gwadar. Außerdem investieren wir in den Hafen von Malakka in Malaysia. Indien ist nun umzingelt, wie kann es sich da keine Sorge machen?吉布提驻军,瓜达尔军港,马来西亚黄金港。印度被围,安能不急?

 

Ein weiterer Weibo-Nutzer kritisiert die Eröffnung der Militärbasis mit seltener
Offenheit:

 

Es ist für Dschibuti gefährlich, China eine Militärbasis aufbauen zu lassen. Früher oder später werden die USA dort schon aufräumen.吉布提这样做很危险,早晚被美国收拾//中美日吉布提基地设施曝光

 

Und Netizen “88jghw” aus der Inneren Mongolei kommentiert:

 

China ist noch in der Entwicklungsphase und treibt seine Interessen langsam aber sicher voran. Eine starke Verteidigung schützt unsere Bürger. Draußen herrscht das Gesetz des Dschungels, egal ob man dies bestätigt oder bezweifelt.中国还在发展中,踏实做好每件事。强我国防保我国民。丛林法则是存在的, 不管你承认与否。

 

Die Mehrheit der Kommentare machen deutlich, dass zum neuen Selbstverständnis Chinas auch eine größere Rolle in der Welt gehört. Es bleibt abzuwarten, inwiefern Peking bereit ist, sein Prinzip der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten anderer Länder neu zu interpretieren. Für die globale Sicherheit – so macht es ein jüngster Kommentar in The Economist deutlich – könnte ein größeres Engagement Chinas jedenfalls von großem Nutzen sein.

 

Dort heißt es, dass China durch die Militärbasis nicht nur einfacher Handelswege sichern, sondern auch öfter an militärischen Übungen der Großmächte teilnehmen könnte. In Dschibuti haben nämlich bereits seit langem die USA, Japan und Frankreich einen Militärstützpunkt aufgebaut.

 

Zum Weiterlesen:

 

Vanessa Steinmetz, Was China in Dschibuti vorhat, Spiegel Online, 21. Juli 2017.

 

Tagesschau.de, Chinas Machtbasis in Dschibuti, 12. Juli 2017.

 

The Economist, The West need not fear China’s war games with Russia, 29. Juli 2017.

 

Kategorien: China Global, Politik, Tags: , , , , . Permalink.

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