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„Hundefleischfestival“ sorgt für landesweite Kampagne gegen den Verzehr von Hunden

Internet Kampagne

Internet-Kampagne gegen das „Hundefleischfestival“ © Screenshot Yong Yang

Am 21. Juni 2014, dem Tag der Sommersonnenwende, fand in der Stadt Yulin in der südchinesischen Provinz Guangxi das alljährliche Hundefleischfestival statt, um den Sommer willkommen zu heißen. Schätzungsweise wurden mehrere tausend Hunde für das Fest geschlachtet.


Das zweiwöchige Fest ist in den letzten 20 Jahren zu einer Tradition geworden. Der lokalen Sitte nach wird Hundefleisch mit Litschi und Schnaps zusammen gekocht. So auch in diesem Jahr.

 

Proteste der Bevölkerung und Prominenz

 

Das Festival stößt Jahr für Jahr zunehmend auf Widerstand. Das diesjährige Fest wurde von Protesten vieler Tierschützer, Rechtsprofessoren und Juristen begleitet. Auch mehrere chinesische Prominente appellierten im Internet dafür, das Festival zu boykottieren. Der Kommentar von Zhao Wei, einer der beliebtesten Schauspielerinnen Chinas, wird mehrfach von Bloggern zitiert:

 

Bitte behandeln Sie den Freund des Menschen gut!善待人类的朋友!

 

Auch die renommierte Schauspielerin Yang Mi mahnt in ihrem Blog:

 

Hunde sind den Menschen treuer als ich mir vorstellen kann. Ich sehe sie als Freunde. (…) Esst sie nicht! (…) Ich fordere zum Stopp jedes Hundefleischfestivals auf. Ich allein bin nicht stark und brauche eure Unterstützung! Egal ob Sie Hunde mögen oder nicht, Sie brauchen meinen Appell nicht zu liken, leiten Sie ihn aber bitte weiter!狗对人的忠诚超越了我的想象,我把狗作为朋友,(...)不要吃它们!(...)我呼吁制止任何狗肉节。人单力薄需要大伙的认同和支持!不管您是否爱狗,不求点赞,只求转发。

 

Zu einer landesweiten Internet-Kampagne gegen die Durchführung des Festes gehört auch ein Video, in dem zahlreiche Prominente gemeinsam mit tausenden Bürgerinnen und Bürgern ins Gewissen reden.

 

Die Hunde sind unsere Freunde. Bitte verletzt sie nicht!狗是我们的朋友,请不要伤害它们。

 

Keine offizielle Unterstützung des „Hundefleischfestivals“

 

Unter dem massiven öffentlichen Druck versuchten die Behörden von Yulin, sich von dem Event zu distanzieren. In einer offiziellen Stellungnahme, die der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua vorgelegt wurde, heißt es:

 

Der Begriff „Hundefleischfestival“ ist eine Formulierung von einigen wenigen Händlern und Bürgern und existiert im Grunde gar nicht. (…) Die Behörden und die Gesellschaft haben derartige Veranstaltungen nie organisiert. 所谓“夏至荔枝狗肉节”只是个别商家和民间的一种说法,其实并不存在这个节日。(...) 政府或社会组织都从未举办过任何形式的此类活动。

 

Im Anschluss daran forderten die Behörden Yulins die Restaurantbesitzer unwillkürlich dazu auf, Hinweise auf Hundefleischverzehr von Plakaten und Speisekarten zu entfernen. Bisher haben dutzende Restaurantbesitzer durch die öffentlichen Proteste das Angebot von Hundefleisch freiwillig aufgegeben. Ein erster Triumph für die Hundeliebhaber.

 

Imageschaden wegen Hundefleischfestival

 

Über das Hundefleischfestival in Yulin wird weltweit berichtet. Viele Blogger haben die Berichterstattungen im Ausland in ihren Blogs zitiert und dabei befürchtet, dass das Festival Chinas Image im Ausland schaden und das weltweite Klischee von den Hundefleisch essenden Chinesen verstärken könnte. Gegen dieses Vorurteil verteidigt sich Blogger Tian Yifeng.

 

Ich habe einmal einen „Scherz“ gehört: In amerikanischen Familien bekommen Haustiere, die sich nicht benehmen, zu hören ‚(wenn du nicht brav bist), schicke ich dich nach China‘. Solche „Scherze“ gehen mir persönlich sehr nahe und ich kann darüber gar nicht lachen. (…) China ist keine „Hölle“ für Haustiere. Im Gegenteil, die meisten Chinesen haben ein Herz für Tiere und schützen sie. Allerdings kommt es leider (vereinzelt) vor, dass kleine Tiere gequält und sogar getötet werden, was der Reputation Chinas unvermeidlich schadet. 以往曾看到过一则“笑话”:在美国的家庭,当猫咪和狗狗淘气时,主人会对它们说,再不听话,就把你送到中国去!对于这样的“笑话”,笔者看后心情沉重,不仅丝毫没有笑意 (…) 中国决非是小动物们的“地狱”,可以说绝大多数中国人都有着保护小动物的善良心愿,但也确实存在虐待甚至残杀小动物的不文明行为,这对中国的形象和软实力,难免带来严重的负面影响。

 

Emotionale Rettungsaktionen

 

Um das Fest zu verhindern, reisten in diesem Jahr hunderttausende chinesische Tierschützer und Hundeliebhaber nach Yulin und demonstrierten vor den Restaurants, die Hundefleisch anboten. Vereinzelt kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten, Restaurantbetreibern und Polizei. Einige Aktivisten gingen noch einen Schritt weiter und kauften gefangene Hunde frei – aus eigenen Mitteln. Die Tat der Aktivisten wird im Internet viel gelobt, so wie von Schriftsteller Xue Mo.

 

Die, die den Hundekillern entgegentreten und sich für das Leben der Tiere einsetzen, sind für mich Helden. (…) Ich wünsche mir, dass sich noch mehr Leute daran beteiligen, um das Übel in der Gesellschaft zu beseitigen, das der gesamten Zivilisation schadet. 那些为了保护狗的生命,与屠夫对峙的人。(...)在我眼中,他们是英雄。(...)我希望更多的有识之士参与进来,来解剖这一挑战人类文明底线的社会毒瘤。

 

Der Verzehr von Hundefleisch ist in China zwar nicht verboten, doch zunehmend moralisch nicht mehr vertretbar. Hunde gelten in vielen Haushalten schon längst als Familienmitglieder.

 

 

Zum Weiterlesen

 

‘Hundefleischfestival‘ in China: Illegal und unhygienisch“, Spiegel Online, 18.06.2014.

 

Ein-Hund-Politik“, Focus Online, 16.05.2011.

Kategorien: Kultur, Tags: , , , . Permalink.

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