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China und Afrika – Der afrikanische Markt und seine Herausforderungen

Chinas Interesse an afrikanischen Ländern wächst - chinesischsprachige Afrika-Karte  ©Qingdou@Chinese Wikipedia

Chinas Interesse an afrikanischen Ländern wächst - chinesischsprachige Afrika-Karte ©Qingdou@Chinese Wikipedia

„Zou chu qu“ („hinausgehen“) heißt Chinas neue Devise: chinesische Firmen sollen seit den späten 1990ern internationale Firmen übernehmen oder in diese investieren um dadurch ihren Stand auf dem internationalen Markt zu festigen. Doch chinesische Aktivitäten in Afrika beschäftigen nicht nur ihre internationalen Konkurrenten, sondern oft auch sicherheitsstrategische Planer und Politiker.

Spätestens seit dem Ausrufen der “Zou chu qu”-Strategie 1990, investieren chinesische Firmen regelmäßig in internationale Unternehmen, wenn auch mit gemischtem Erfolg. Mit dieser Strategie will Peking technisches Know-How aus dem Ausland erkaufen und die Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Marken in den U.S.A. und in Europa verbessern.

 

Viele westliche Medien werfen den chinesischen Firmen vor sie seien langfristig vor allem an der Sicherung guter Beziehungen mit rohstoffreichen afrikanischen Staaten interessiert. Schon heute bezieht China 30 Prozent seiner Ölimporte aus Afrika, während 40 Prozent aller chinesischen Auslandsinvestitionen nach Afrika gehen.

 

Verdrängen chinesische Unternehmen westliche Konkurrenz um sich Rohstoffe zu sichern?

 

Seit den späten 1990er Jahren nutzen chinesische Betriebe die Möglichkeit, sich durch Konstruktionsprojekte im Rahmen von Hilfsprogrammen der chinesischen Regierung auf dem afrikanischen Markt zu etablieren. Dabei steht in den meisten Fällen eine Verbesserung der Infrastruktur des jeweiligen Landes im Vordergrund. Allein zwischen 2002 und 2007 stellte die chinesische Regierung mehr als 25,05 Milliarden Euro für Entwicklungsprojekte in afrikanischen Ländern bereit. Auffällig ist, dass sich der Löwenanteil der chinesischen Investitionen auf die drei besonders rohstoffreichen Länder Angola, Sudan und Nigeria konzentriert.

 

Dabei kommt es in manchen Fällen zu erstaunlichen Handelsabkommen. Blogger „Wasserhyazinthe“ gibt ein entsprechendes Beispiel aus Uganda:

 

Diese neu eingerichtete Freihandelszone ist in der Tat sehr “frei”. Vom chinesischen Verwaltungsrat sollen in Zukunft Ämter für Finanzwesen, Industrie, Städtebau, Äußeres, Polizei, Zoll, Kultur, Bildung, Justiz, Tourismus und öffentliche Finanzen eingerichtet werden. Außerdem soll der Rat auch begrenzte “legislative Rechte“ haben. Der vorgesehene Zeitraum beträgt bis zu 99 Jahre. Bisher wurden in diese Freihandelszone nur Firmen aus China und Unternehmen von Überseechinesen eingeladen. Diese Freihandelszone ist mehr als nur das “Shenzhen von Afrika”, es ist viel mehr das “Hong Kong von Afrika”. Und zwar ein von China aufgebautes Hong Kong.新成立的东非自由贸易区真的非常“自由”,由中方人员参与的管理委员会将按照 中国的模式建立金融、工商、城建、外事、警务、海关、文教、司法、旅游、财政 等职能部门,还将拥有一定程度的“立法权”,至于这种状态维持的时间,长达99 年。另外,目前这个自由贸易区只对中国企业和华人企业发出了邀请。(...) 这个已 经成立了的自由贸易区,将远远不止是“非洲的深圳”,而应该说是“非洲的香 港”,一个由中国开发的香港。

 

Dabei ist zu beachten, dass „Wasserhyazinthe“ diesen Vergleich nicht als Kritik meint, sondern mit den Anstrengungen der chinesischen Regierung eher zufrieden ist. Diese seien notwendig um sich breitgefächerte Ressourcen zu sichern.

 

Innerchinesische Konkurrenz durch die “Zou chu qu”-Offensive

 

Mit der steigenden Zahl chinesischer Firmen wächst allerdings auch die innerchinesische Konkurrenz. Dabei fallen die chinesischen Gäste in Verhaltensmuster zurück, die sie aus der Heimat kennen. Der Blogger „Berylliumbronze“ berichtet von seinen Erfahrungen mit anderen Chinesen in afrikanischen Ländern:

 

Unter den Chinesen in Afrika ist Cliquen-Denken weit verbreitet. Menschen aus verschiedenen Regionen Chinas formen sich zu Gruppen, die sich gegenseitig bekämpfen. Chinesen machen oft Geschäfte am Rande der Legalität. Es sind jedoch nicht Afrikaner, welche die Chinesen anzeigen. Sie zeigen sich oft gegenseitig an, um einander zu schaden. Da war ein Fall mit einer chinesischen Konstruktionsfirma, die einen Auftrag an eine weitere weitergegeben hatte. Sie hatten einige alte Streitigkeiten noch nicht geklärt. Bei einem Trinkgelage zum chinesischen Neujahrsfest kam es zu Streitereien. Es regnete gerade, und als die Streitenden die Schlägerei vor das Lokal verlegten, wälzten sie sich schon bald im Schlamm und mussten von Afrikanern getrennt werden.在非洲的中国人帮派思想也很严重,来自中国各地区的人都形成自己的势力团伙, 互相倾轧攻击,互相拆台。中国人做生意都有点猫腻,不是当地的黑人,往往是中国人之间互相向当局举报,恨不得把对方置于死地。有家中国建筑公司,承包到工程后把工程分包给了另一家中国建筑企业,由于平时矛盾没有化解,春节聚餐时,酒过三巡,分包商竟与承包商经理部人员大打出手。当时正下着雨,两队人马从饭堂打到外面,个个滚得满身泥水,当地的黑人职工给他们拉架。

 

Auch wegen solcher Vorkommnisse bemühen sich chinesische Unternehmen mehr Afrikaner anzustellen. Zusätzlich versucht die chinesische Regierung durch die Vergabe von Universitätsstipendien an Afrikaner, einen Teil der zukünftigen Elite ihrer Partnerländer in China auszubilden.

 

Zum Weiterlesen

 

Marie-Luise Abshagen: “Chinas wachsender globaler Einfluss am Beispiel von Entwicklungspolitik”, 04.01.2012

 

Jost Wübbecke: “Entwicklungshilfe aus dem Entwicklungsland China”, Stimmen aus China, 09.06.20110

 

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