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Videopiraterie im Internet: Ist die chinesische Suchmaschine Baidu ein Mittäter?

Baidu Zentrale in Peking © hwanghsuhui, via Wikimedia Commons

Baidu Zentrale in Peking © hwanghsuhui, via Wikimedia Commons

Baidu ist die meistgenutzte Internet-Suchmaschine in China und hält über 60 Prozent des nationalen Marktanteils. Allerdings gibt es immer wieder Vorwürfe, dass Baidu Erfüllungsgehilfe der Staatsführung sei, weil es angeblich unerwünschte Inhalte zensiere. Ende 2013 wurde Baidu nun erneut in einen Rechtsstreit verwickelt. Dieses Mal betraf die Streitigkeit jedoch nicht etwa politische Zensur, sondern die Verlinkung zu illegalen Raubkopien.

 

Am 13. November 2013 starteten führende Anbieter von Online-Videoplattformen eine gemeinsame Kampagne gegen Baidu, unter dem Slogan „Kampagne gegen Piraterie – Allianz chinesischer Internet-Videoanbieter中国网络视频反盗版联合行动“. Gleichzeitig verklagten sie Baidu wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen.

 

Zu den Klägern zählten Firmen wie Youku Tudou, Sohu, Tencent QQ sowie LeTV. Ihr Vorwurf: Baidu ermögliche seinen Nutzern unberechtigt den Zugang zu Fernsehserien und Spielfilmen. Zum einen durch die Verlinkung zu anderen Webseiten, die Raubkopien bereitstellen, zum anderen durch direkte Einbettung von illegalen Videos auf der eigenen Internetseite und mobilen Anwendungen. Legitime Lizenznehmer hätten dadurch das Nachsehen. Deshalb verlangten die Kläger von Baidu eine Schadensersatzzahlung in Höhe von 300 Millionen RMB (ca. 36 Millionen Euro).

 

Das Recht an geistigem Eigentum

 

Der Jurist Chen Youxi aus Hangzhou unterstützt mit seinem Blogeintrag das Bemühen um Urheberrechtsschutz.

 

Es ist zu hoffen, dass eine so große Firma wie Baidu seine soziale Verantwortung als Unternehmen wahrnimmt, das Recht am geistigen Eigentum respektiert und illegale Handlungen einstellt. Während die entstandenen Kosten durch Verletzung geistigen Eigentums ziemlich niedrig sind, erweist sich das Schützen dieser Rechte als verhältnismäßig teuer und schwierig. Objektiv betrachtet erschwert dies den Schutz von Urheberrechten. (…)希望百度这样的大公司,能够坚持企业的社会责任,尊重别人的智慧财产权,彻底停止盗版行为,知识产权侵权的违法成本较低、维权成本和难度较高,这在客观上不利于版权保护( 。。。)

 

Der Konsum von Raubkopien im Internet – Eine Frage des Angebots und der Kosten

 

Die Diskussion um Baidu veranlasste chinesische Internetnutzer darüber nachzudenken, wie sie selbst mit Online-Angeboten umgehen. Netizen „Jfan“ aus Ningde, Fujian, deutet an, dass bei illegalen Webseiten das Angebot an Videos und Filmen vielfältiger sei.

 

Ich bin bereit, für legale Inhalte Geld zu bezahlen, aber vorher darf ich Euch sogenannte Anbieter von legalen Videoplattformen daran erinnern, dass Euer Angebot an legalen Videos auch umfangreich sein muss. Wenn man etwas (Videos) anfragt, habt ihr so gut wie nichts zu bieten. Wie könnt ihr da so unverschämt die anderen im Namen des „Kampfes gegen die Piraterie“ niederschlagen?我愿意为正版付钱,但是前提是你们这些所谓提供正版的视频网站资源要全。要什么没什么的也好意思以打击盗版的名义把人家整垮了.

 

Unter dem Artikel „Die Wertkette der Raubvideokopien深度解密百度、快播视频盗版黑色链“ von Baidu und Qvod Player entschlüsseln die Leser unterschiedliche Positionen.

 

Netizen „Wushangqinglian 323” schreibt:

 

Um ehrlich zu sein, ich bin auch ein Nutznießer von Baidu-Videos, dort gibt es viele alte Spielfilme. Über Baidu lassen sie sich schnell herunterladen und anschauen. Aber wenn man die Sache rational betrachtet, müsste man all diese Links unterbinden. Ich bin bereit, auf diese kostenlosen Quellen zu verzichten und Filme gebührenpflichtig anzuschauen. Erst dadurch gibt man den Autoren und Künstlern eine wirtschaftliche Grundlage und die Botschaft, dass sie weitermachen können. Legale Inhalte zu unterstützen ist ein genereller Trend, dies sollte uns allen klar werden!说实话,我也是百度视频的受益者,很多老电影,通过网上百度视频,快播都能下载和观看,但是理性的看,还是应该取缔这些链接,我愿意放弃这些免费资源,通过付费的方式看电影,这样才能给艺术创作者更多的经济物质基础,给他们继续下去的信息。支持正版是大势所趋,我们要醒悟!

 

Netizen „Weiyan“ entgegnet hierauf:

 

Der Profit der TV- und Filmindustrie ist überall präsent und die hohen Gagen der Prominenten total ungerechtfertigt. Sollen sie zunächst mal die Preise für Kinotickets auf ein normales Niveau senken und kreative Arbeit vernünftig würdigen, dann können sie als Nächstes auch vom „Kampf gegen die Piraterie“ sprechen!电视,电影行业的暴力大家都看得到,明星们的收入严重不合理,他们如果把票价降到正常水平,让艺术创作回到正常价位,再去说反盗版!

 

Netizen „Walgqu“ äußert sich wie folgt:

 

Ich unterstütze legale Inhalte, aber sie sollen kostenlos sein.支持正版,但希望免费.

 

Auch die Kostenfrage beschäftigt Netizen „Jie Parasit 1991bei Sohu“:

 

Die Einkommen in China sind zu niedrig im Vergleich zu entwickelten Staaten. Kinotickets sind unverhältnismäßig teuer!中国的可支配收入太低,不像发达国家那样,电影院票价高的离谱!

 

Menghuan Jiyuan“ aus Tianjin stellt die Daseinsberechtigung von Baidu in Frage.

 

Wenn es auf Baidu bald keine illegalen Kopien mehr gibt, wer würde es überhaupt noch nutzen?百度如果没有盗版谁还用百度啊

 

Gericht gibt der Klage statt

 

Am 30. Dezember 2013 gab die National Copyright Administration (NCAC) der Klage gegen Baidu statt und verhängte eine Geldstrafe von ca. 250.000 RMB (ca. 30.000 Euro) wegen Urheberrechtsverletzung.

 

 

 

 

Zum Weiterlesen

 

Angela Köckritz: „Baidu – Eine Zensur findet statt“, ZEIT online, 15.12.2013.

 

Tencent und Sohu klagen gegen Baidu wegen Copyright“, IT-Times, 13.11.2013.

 

Baidu sued for alleged online video piracy“, Xinhuanet.com,13.11.2013.

 

Paul Mozur: „China’s Baidu Faces Suits Over Video Piracy“, The Wallstreet Journal, 13.11.2013.

 

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Ein Kommentar zu Videopiraterie im Internet: Ist die chinesische Suchmaschine Baidu ein Mittäter?

  1. avatar Solar sagt:

    Ich bezahle nie das Video im Internet… Wenn das Video nicht kostenlos wäre, gehe ich lieber ins Kino! 🙁 Baidu ist ja toll!

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