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Historische Fresken zerstört – Blogeintrag löst Welle der Empörung aus

Wandmalerei im Yunjie-Tempel in Chaoyang nach der Restauration © Screenshot Lisa Krauss

Wandmalerei im Yunjie-Tempel in Chaoyang nach der Restauration © Screenshot Lisa Krauss

Im Norden Chinas wurden buddhistische Fresken aus der Qing-Dynastie (1644-1911) ohne Genehmigung zur Restauration comicartig übermalt und damit teilweise zerstört. Zwei zuständige Beamte wurden bereits entlassen. Ein Student hatte den Fall an die Öffentlichkeit gebracht. In Wort und Bild machte er seiner Empörung Luft und sorgte mit seinem Blog für Aufregung im chinesischen Netz.

 

Im Herbst besuchte ein Pekinger Student, der unter dem Namen „Ahorn“ einen Blog betreibt, in Chaoyang, Provinz Liaoning, den Yunjie-Tempel. Allerdings fand er dort nicht wie erwartet 270 Jahre alte Wandmalereien vor, sondern deren vollständige Übermalung in grellen Farben. Er veröffentlichte Bilder der missglückten Restauration und schrieb dazu:

 

2011 bin ich schon einmal in Chaoyangs Yunjie-Tempelanlage gewesen und vor Kurzem wieder hingefahren. (…) Was mich diesmal erschreckt hat, war der Qing-zeitliche Tempel unterhalb der Pagode. Dieser Tempel hatte früher schon relativ neu ausgesehen, war aber unerwarteter Weise trotzdem restauriert worden. Die Spuren der Geschichte im Innern, ganz hinten, sind vollkommen ausgelöscht worden. Das macht mich unglaublich wütend. Damals, 2011, dachte ich, alles dort sei neu, als ich aber die Halle betrat, entdeckte ich, dass es Innen gar nicht schlecht aussah und dass dort ganz schöne Wandgemälde aus der Qing-Zeit zu sehen waren. Eine freudige Überraschung.我2011年曾去过朝阳云接寺塔,不久前又去了一次。(…) 但这次让我震惊的却是塔下的清代小庙。那座曾经看起来已经挺新的庙宇竟然又被重修,里面最后一丝历史痕迹也被完全抹去,令人怒不可遏。 (...) 当时远看,以为都是新造的,进入殿内,发现里面竟然有挺不错的清代老壁画,甚是惊喜。(…)

 

Unstimmigkeiten bei Restauration

 

Wandmalerei im Yunjie-Tempel in Chaoyang vor der Restauration © Screenshot Lisa Krauss

Wandmalerei im Yunjie-Tempel in Chaoyang vor der Restauration © Screenshot Lisa Krauss

Der Fall löste in China ein großes Medienecho aus. Wie sich nun herausstellte, war die grundsätzliche Restauration des Tempels zwar genehmigt gewesen, für die Einzelheiten war den Zuständigen allerdings keine Erlaubnis erteilt worden. Diese hatten daraufhin eigenmächtig gehandelt. Zwei Staatsbedienstete, die für die Tempelaufsicht und Kulturangelegenheiten in Chaoyang zuständig gewesen sind, wurden infolge dessen entlassen. Außerdem wurde der lokalen Behörde eine Geldstrafe in Höhe von 500.000 Yuan (ca.60.000 Euro) auferlegt.

Für die bereits abgeschlossene Restauration der gesamten Tempelanlage hatten Mönche ca. zwölf Millionen Euro gesammelt. Meister Haiyi äußerte sich ob des Ergebnisses betrübt.

 

Die Spenden wurden nicht für den guten Zweck ausgegeben. Jemandem eine Wohltat erweisen zu wollen, ist eine gute Absicht. Die Kulturschätze wurden allerdings zerstört.本是善款,却未能善用,行善是好意,可文物已被毁。

 

Empörung und Häme

 

Vielerorts bietet sich chinesischen Inlandstouristen ein ähnliches Bild. Oftmals werden Sehenswürdigkeiten nicht sachgemäß restauriert, sondern erst abgerissen und dann vollständig neu aufgebaut. In anderen Fällen werden historische Stätten ganz vernichtet. Für viele ist die Beobachtung des Bloggers „Ahorn“ daher symptomatisch. Chinesische Netzbürger können seine Empörung verstehen. So wie folgender Internetnutzer, der anmerkt:

 

Also, bei diesen so genannten historischen Stätten sind nun wohl nur noch die Namen echt. Der Rest ist eine Fälschung.所以说现在不少所谓的古迹,除了名字是真的其他都是假的

 

Netizen „Liutanghanshi“ empört sich über diejenigen, die die Übermalung zugelassen haben.

 

Das sind eben die Konsequenzen einer unkultivierten Leitung! In Shenyang ist es auch so. Viele Tempel werden nicht vom Amt für Denkmalpflege verwaltet und (dann) (…) wird aus Stadtmauersteinen Bauschutt.文盲领导管理下的恶果!沈阳也是一样,好多古寺庙都不归文物局管理(…) 城墙砖成了建筑垃圾。

 

Danranyixiao 68743491“ kommentiert einen Nachrichtenartikel zum Thema.

 

Einige Leute hinterlassen selber nichts und können auch nichts kreieren. Wenn es allerdings um‘s Zerstören geht, sind sie ganz vorne dabei. Sie bleiben uns unter dem Titel der „Ignoranz“ lange in Erinnerung. Das ist wirklich tragisch!有些人,自己不曾留下什么,也不会创造什么,但搞起破坏来那真是响当当的人物!这些人”无知“是他们的代名字。真是可悲!

 

Unter anderen Nutzern sorgte die unglückliche Restauration wiederum für Belustigung. Netizen „Daidai_ChenJiang“ fühlt sich an einen berühmten spanischen Fall ähnlicher Natur erinnert.

 

Die eine Möglichkeit ist, dass die Tempelleitung wirklich dumm ist. Die andere ist, dass sie wissen, dass viel mehr Touristen gekommen sind nachdem eine spanische alte Dame ein Jesus-Portrait restauriert hatte. (…)一种可能是主持人真的蠢透了;另一种可能是知道西班牙那个老太太涂鸦“修复耶稣像”之后游客暴增(…).

 

Welche Schlüsse chinesische Netizens oder die Regierung aus diesem Fall auch immer ziehen mögen, eines zeigt er ganz deutlich: Die Reichweite eines einzelnen Blogeintrags im chinesischen Internet.

 

 

 

 

Zum Weiterlesen

 

China Sackings Over Ruined Ancient Buddhist Frescos”, BBC, 22.10.2013.

 

Abby: “China Puts Ancient Buddhist Temple on Chopping Block”, Global Voices, 12.04.2013.

 

Helmut Brinker: Die chinesische Kunst, Verlag C.H. Beck, München: 2008.

 

Kategorien: Kultur, Tags: , , , , , , , , , . Permalink.

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