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Doppelter Angriff auf Li Chengpeng – Verkaufsschlager und Grundsatzfrage

Angelpunkt einer hitzigen Diskussion – Li Chengpengs Buch „Die ganze Welt weiß Bescheid“ © Florian Jung

Mitte Januar 2013 wurde Li Chengpeng, einer der bekanntesten Blogger und kritischen Schriftsteller Chinas, während einer Signierstunde gleich zweimal körperlich angegriffen. Eine Ohrfeige und ein Gemüsemesser sorgten im chinesischen Netz für heiße Diskussionen zu den Hintergründen und der Frage danach, ob man Konflikte in der chinesischen Gesellschaft heute noch gewaltfrei lösen kann.

 

Sich nicht zu wehren führt zu nichts

 

Gleich zweimal an einem Tag sah sich Li Chengpeng während seiner Signierstunde tätlichen Angriffen ausgesetzt. Beide Male hielt er sich selbst aus dem Streit heraus und überließ die Schlichtung dem eigens abgestellten Sicherheitspersonal. Der bekannte Blogger „Spitzname von Li Jianmang“ hält die angesichts der Angriffe zur Schau gestellte stoische Ruhe prinzipiell für den falschen Weg, mit derlei Problemen umzugehen.

 

Ich habe sehr viel über die Angriffe auf Li Chengpeng diskutiert. Sowohl im Aus- als auch im Inland sind die meisten (…) der Meinung, dass es richtig von Li gewesen ist, nicht zurück zu schlagen. Das mag vielleicht so sein, aber ich könnte das nicht. Wenn ich zu einer Signierstunde gehe, nehme ich mir einen großen Baseballschläger mit. Wenn jemand handgreiflich wird, kriegt er es mit dem Knüppel zu tun.和@土家野夫 闲聊@李承鹏 挨打的事情。野哥和国内的很多朋友讨论过这个问题,大多数人认为李承鹏不回手是对的。也许是吧,可我做不到。如果我去签售,我会带去一根棒球棒;你敢打我一拳,我就敢抽你一棒子。人说容易激动的人容易上当,我就铁心咬你的鱼饵,有本事你就把我拉上来,不然我拖你下水。

 

Das Problem liegt in der Justiz

 

Die Bloggerin „baijia1962_6oj“ steht der „Auge um Auge, Zahn um Zahn“-Rhetorik ihres Vorredners prinzipiell ablehnend gegenüber, räumt aber ein, dass die Rahmenbedingungen für eine gewaltfreie Konfliktlösung fehlten.

 

Wenn diejenigen, die andere angreifen, eine angemessene Bestrafung durch das Gesetz erwarten würden, dann müsste man nicht zurückschlagen. Wenn sie allerdings, wie hier, einfach so damit davonkommen, dann muss man selbst für seine Gerechtigkeit sorgen.如果打人的人能够受到应有的法律惩罚,那可以不还手,但如果打人的人就此逍遥了,那一定要自己讨公道。

 

Gewalt ist eine Lösung

 

Viele Blogger wie „Hahahahahahaha jake“ unterstützen es, im Konfliktfall zurückschlagen.

 

Ich stimme (dieser Äußerung) in allen Punkten zu. Es ist wirklich so, dass den meisten Menschen in unserem Land die Fähigkeit fehlt, sich zu wehren. Im Kindesalter lernen wir, dass man sich nicht streiten soll. Auch wenn man selbst geschlagen wird, sollte man nicht zurückschlagen! Man sollte seinen Lehrer suchen, um Probleme zu lösen. Die Leute sagen, es sei falsch sich zu schlagen. Ich verstehe absolut nicht, woher diese merkwürdige Erziehung rührt! Meistens kann man sich seinen eigenen Freiraum und sein Recht nun mal nur durch Zurückschlagen erkämpfen!这个完全同意,其实国人真的缺乏这种血性,小时便被教育不要打架,即使挨打也不要还手,要找老师解决,还说相打无好手,我真的不是很明白这么变态的教育哪来的,很多时候,自己的空间和自由就是在还手中争取出来的。

 

Gewalt ablehnende Stimmen, wie die von Bloggerin „Blühende Sonnenblume“, scheinen eher selten.

 

Ich bin strikt gegen Gewalt!鄙视暴力!

 

Ein kleiner Skandal als Verkaufsschlager

 

Eine Diskussionsgruppe mit dem Thema „Prügel für Li Chengpeng“ geht konkret der Frage nach, ob es sich bei dem Vorfall um eine Inszenierung zu Gunsten des Verkaufs seiner Bücher handeln könnte. Mit 833 Stimmen repräsentieren die Umfrageteilnehmer, die dem Autor und Blogger unlautere Absichten unterstellen, die Mehrheit. 502 Befragte sind jedoch der Meinung, Li Chengpeng würde seine Gesundheit nicht aus solch niederen Beweggründen gefährden. Blogger „Nur Wahrheit sprechender Dummkopf“ meint:

 

Gerade habe ich an der Umfrage „Wie bewertet ihr den Gewaltangriff auf Li Chengpeng?“ teilgenommen und folgendem Beitrag zugestimmt: „Es handelt sich um eine Gruppeninszenierung, die das neue Buch stärker ins Rampenlicht rücken soll“. Nimm doch auch teil!我刚参加了“你怎么看李承鹏被打?”的互动,我投了“质疑派:团队炒作,为了增加新书发布关注度自导自演”一票,你也来参加吧。

 

 

Zum Weiterlesen

 

Adrian Krawczyk: „China ist das Königreich der Lügen“ – Li Chengpengs gewagte Rede an der Peking Universität“, Stimmen aus China, 27. Januar 2013

 

Florian Jung: „Vier Jahre nach dem Wenchuan-Erdbeben – ein kritischer Blick auf chinesischen Patriotismus“, Stimmen aus China, 13. Mai 2012

 

Hannah Beech: „As Chinese Debate the Need for Political Reform, an Outspoken Blogger Is Attacked“, World.Time.com, 16. Januar 2013

 

Kategorien: Gesellschaft, Kultur, Tags: , , , . Permalink.

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