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Chinesische Netizens zur Rede des Delegierten Xie Zhenhua auf der Klimakonferenz in Durban

Rede des Delegierten Xie Zhenhua

Die Weltklimakonferenz im südafrikanischen Durban im November und
Dezember 2011 setzte in den Augen vieler Chinesen ein Zeichen im Kampf gegen die von ihnen empfundene Unterdrückung durch die Industrienationen. Der chinesische Delegierte Xie Zhenhua griff die bisherigen Aktionen der Industrienationen scharf an und versuchte sich und sein Land ins rechte Bild zu rücken. Verfasst von Florian Jung.

Der folgende Artikel der Nachrichtenagentur Xinhua vom 12.12.2011, der Xie’s Rede während der Klimakonferenz aufgreift rief eine lebhafte Diskussion zum Thema chinesischer Klimaschutz hervor.

 

Als die mehr als 200 Vertreter verschiedener Länder und Institutionen nach langen, schwierigen Diskussionen letztendlich aus dem Versammlungsraum kamen, war ihnen die Müdigkeit deutlich anzumerken. Diese Konferenz sollte ursprünglich bereits am Abend des 9. Dezember zu Ende gehen, musste aber aufgrund großer Differenzen bei zentralen Themen um zwei Tage verlängert werden. Vor dem Ende der Konferenz waren alle Seiten Teil eines „Beratungsmarathons”.

 

Die auf der Konferenz verabschiedeten vier Resolutionen verkörpern zwei wichtige Forderungen der Entwicklunsländer: Industrienationen müssen in der zweiten Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls ihre Emissionen weiter senken und die Grundlage für die Bestimmungen des GCF (Green Climate Fund) legen. Das im Jahr 1997 unterzeichnete Protokoll ist das bisher einzige international anerkannte, gesetzlich bindende Dokument, dessen erste Verpflichtungsperiode im Jahr 2012 zu Ende geht.

 

Die Konferenz verlangt von allen Verhandlungspartnern des Kyoto-Protokolls (zu denen hauptsächlich Industrienationen zählen) die vereinbarten Schritte in der zweiten Verpflichtungsperiode ab dem Jahr 2012 durchzuführen. Weiterhin müssen diese bis zum 1. Mai des kommenden Jahres (2012) der Konferenz ihre Klimaversprechen vorlegen. Der GCF soll nun tatsächlich gestartet werden, um einen Rahmen für die Mittelbeschaffung zu bilden. Auf der 16. Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Cancún im Jahr 2010 wurde die Gründung eines Fonds festgelegt, für welchen die Industrieländer den Entwicklungsländern bis 2020 jährlich mindestens 100 Milliarden US-Dollar zur Verfügung stellen sollen, damit diesen die Anpassung an den Klimawandel erleichtert wird.

 

Gleichzeitig verlieh die Konferenz auch den Interessen der EU durch Unterzeichnung der „Durban -Plattform” Nachdruck. Die Durban-Plattform nennt konkrete Maßnahmen zur Verringerung der Treibhausgase bis in den 20er Jahre dieses Jahrhunderts. Dennoch wurden Formulierungen wie „die Schaffung eines gesetzlich-bindenden Rahmens” und ähnliches seitens der EU als zu fest angesehen. Der Leiter der Versammlung forderte daher die Verwendung von flexibleren Begriffen wie „Prozess” oder „Rechtliche Instrumente”. Letztlich stimmten alle Parteien dieser Vorgehensweise zu.

 

Auf der letzten großen Versammlung in den frühen Morgenstunden des 11. Dezembers 2011 brachte der Leiter der chinesischen Delegation und Vizevorsitzende der Landeskommission für Entwicklungen und Reformen, Xie Zhenhua, seine Wut gegenüber den Industrienationen zum Ausdruck und erhielt dafür großen Beifall vom Plenum.

 

Er kritisierte […] , dass einige Industrienationen partout nicht dazu bereit wären, Verpflichtungen einzugehen und auf die Entwicklungsländer Druck ausüben würden. „Einige Länder hier werden von uns danach beurteilt, was sie tun und nicht was sie sagen. Einige Länder haben zwar schon Verpflichtungen verabschiedet, diese aber nicht in die Tat umgesetzt und beherzt Aktionen durchgeführt.”
An diesem Punkt angelangt, wurde die Stimme Xie’s immer lauter und er bohrte in einem fort nach. „Man hat gesagt, man wolle in großem Maße Emmissionen reduzieren. Hat man das? Man hat gesagt man wolle den Entwicklungsländern Kapital und Technik zur Verfügung stellen. Hat man das? Seit 20 Jahren wird geredet und man hat nichts erreicht. Wir sind ein Entwicklungsland und wir müssen uns entwickeln, um der Armut beizukommen. Wir müssen die Umwelt schützen und was wir tun konnten, haben wir getan. Was wir schon geschafft haben, habt ihr noch nicht erreicht. Was habt ihr für ein Recht hier solche Anforderungen an mich zu stellen?!”

 

Chinesische Netizen zum Thema Durban

 

Der obige Artikel provozierte viel Diskussion über China’s Klimapolitik im Xinhua Forum. Ein Kommentar des Netizens „Diandaodian” spricht Umweltprobleme in China an und wird mit 177 positiven Stimmen bewertet.

 

Wir sollten vielleicht zunächst einmal unsere eigene Umweltverschmutzung bekämpfen. Schaut euch doch an, wie der Himmel von Staub und Smog bedeckt ist.先把自己国家的污染治理了吧。看看漫天灰尘烟雾。。。。。。。

 

Netizen „Yin” aus Shanghai stimmt Xie’s Meinung zu und erhält dafür die meisten positiven Stimmen im Forum:

 

Vor 100 Jahren war China noch nicht verschmutzt und der Westen war es bereits. Sie haben sich nur unter Inkaufnahme der Umweltverschmutzung entwickelt. Und jetzt wollen sie China nicht auch aufsteigen lassen? Was für eine Logik ist das?100年前,中国没有污染的时候,西方已经污染了。他们靠污染,发展起来了,现在不让发展中国家发展了?有这种道理?

 

Ein Internetuser aus Beijing kritisiert diese Position jedoch scharf.

 

Also sollen wir den gleichen Weg einschlagen und die Verschmutzung wieder aufleben lassen. Die Chinesen würden alle Arten von Krankheiten bekommen, die Krankenhäuser mehr verdienen und da nur Geldverdienen wichtig ist, ist doch alles in Butter, oder?所以咱们也必须重走先污染的轮回之路,让百姓得各种疾病,让医院挣更多的钱,只有挣钱才是硬道理,对不?

 

Woraufhin „Wasser =/ Feuer! Wiedergeburt” entgegnet:

 

Bevor du solchen Schwachsinn redest solltest du dir lieber mal anschauen welche zentralen Punkte auf der Versammlung überhaupt diskutiert wurden. Die Entwicklungsländer sind bestrebt die Vorgaben umzusetzen und leisten eine gute Arbeit, während die Industrieländer ihre Vorgaben nicht nur nicht erfüllen, sondern sie sogar auf den Rücken der Entwicklungsländer abzuladen versuchen. Und wer übernimmt Verantwortung für die Verschmutzung, die sie während der Industriellen Revolution verbrochen haben? Die Versammlung muss sich vertragen. Es ist jetzt an der Zeit, dass wir alle zusammen kämpfen und nicht mehr versuchen, die Verantwortung auf andere abzuwälzen.说这样的屁话之前先请你看清楚大会上的言论里重点是什么,是发展中国家在努力实现承诺,完善自身,而发达国家不但不兑现承诺,反而吧更多的责任施加到发展中 国国家身上,那工业革命时期他们造成的污染谁去承担了?还是这个大社会给共同消化了,现在到了大家都该出力的时候就不能取逃避责任!

 

Andere, wie Netizen „Qiuye” äußern ihre Begeisterung für Xies Rede.

 

 

Während der Großteil der Kommentare Xie vollkommen zustimmen vertritt Netizen „Blu.” hingegen die Meinung, dass ein Teil der Rede Xie Zhenhuas nicht auf Tatsachen beruhe und nennt ein Beispiel aus seinem Alltag:

 

[tooltip title="" content="我们苏州这边 号称园林城市 卫生城市 垃圾都焚烧 填满 不知道我们的保护环境 该做的 都做了 到底做了什么 呵呵 不讲垃圾分类了 就是让某些人把垃圾扔垃圾箱都是一件困难的事情 还有脸说." type="classic" ]Wir hier in Suzhou nennen unsere Stadt „Garten-Stadt” und „Hygiene-Stadt”. Der Müll wird verbrannt. Ich weiß nicht, ob unser Umweltschutz „all das gemacht hat, was schaffbar war”- Haha. Von Mülltrennung haben wir keine Ahnung und einigen Menschen den Weg zum Mülleimer zu weisen gestaltet sich auch eher als schwierig. Dass man dann so was noch sagen kann…”classic””””解振华好样的好多年没听到这种声音了痛快”

 

Netizen „Tomte” sieht eine Verschwörung der Industrieländer:

 

Ich unterstütze Xie Zhenhua bei seinem Kampf gegen die europäisch-amerikanische „low-carbon-Verschwörung”.支持解振华,反对欧美的《低碳阴谋》

 

Einige wenige, wie “QQ Bruder”, kritisieren sowohl die Kommentare die Xie zustimmen als auch diejenigen, die nicht mit ihm übereinstimmen.

 

Es ist kaum zum Aushalten, so viele Laien zu sehen, die bemerken wollen wie gut Xie Zhenhua das alles gemacht hat. Seit dem Altertum balancieren sich Fortschritt und die Umwelt gegenseitig aus. Fortschritt zerstört natürlich immer die ursprüngliche Umwelt. Wenn ein Land eine unberührte Umgebung haben und dennoch auch Fortschritt nicht missen willst, brauchst es eine sehr gute (wirtschaftliche) Basis und hohe Qualifikationen. Wenige Jahrzehnte alte Siedlungen sind doch überall auf der Welt gleich […] in China sind seit ’78 kaum 30 Jahre vergangen und es gibt noch Millionen von Armen. Nur weil man selber satt ist, sollte man andere Menschen nicht hungern lassen. Auch wenn wir prinzipiell die Umwelt schützen müssen, sollten wir hier doch den Mittelweg wählen. Stellen wir uns vor, wir würden nicht dieses Thema diskutieren sondern beispielsweise die Sicht Xie Zhenhuas auf den Kampf Chinas um Profit. Jeder der Xie beschimpft oder gelobt hat ist für mich dessen unwürdig. Dies war die Stimme des Vertreters eines Landes, kleine Stadtbewohner können sich damit absolut nicht vergleichen.看 到有这么多不明人来说解振华怎样怎样, 我hold不住了, 自古以来, 环境和发展总是相互制衡的, 发展必然会破坏原有环境, 想要环境非常好, 还要发展, 那你的基础和资金都要很雄厚. 没几十年积累哪里行, 中国满打满算, 从78年到现在才30多年, 穷人还有几个亿, 不能因为你吃饱了, 就让别人饿肚子. 虽然我们要保护环境, 但这时要去平衡的. 就算不谈这个, 就谈解振华为中国争取利益的角度, 那些骂谢振华怎样怎样的, 还不配, 这是代表一个国家的声音, 不是小市民那种短浅的目光能比的.

 

 

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