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Chinesisches Neujahr: Das Fest der Geldgeschenke

Rote Umschläge

Hongbao: Mit Geld gefüllt werden sie zu Neujahr verschenkt © Oldie via Wikipedia

Jeder will sie haben und fast jeder soll sie zum Frühlingsfest verschenken: rote mit Geld gefüllte Umschläge. Im chinesischsprachigen Netz sind sie ein großes Thema, denn einer der reichsten Chinesen will sie nicht verschenken, sondern an ihnen verdienen.

 

Der Jahreswechsel nach dem chinesischen Kalender findet 2015 am 18. Februar statt. An Neujahr, auch bekannt als Frühlingsfest春节, reisen wieder viele Millionen Chinesen zu ihrer Familie, um gemeinsam das Jahr der Ziege zu beginnen. Ein Thema beschäftigt das Land dann ganz besonders:

 

Wenn in China das Neujahrsfest gefeiert wird, dann stehen die roten Umschläge im Fokus中国过年讲究的就是红包“ verkündet Netizen „Aduhr“.

 

Jack Ma streikt

 

In roten Umschlägen红包 werden zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten und Feiertagen Geldgeschenke überreicht. So auch zum wichtigsten Fest, dem Frühlingsfest. Eltern schenken sie ihren Kindern, Großeltern den Enkeln und Chefs ihren Angestellten – oder eben auch nicht. Einer der berühmtesten Firmenchefs des Landes, Jack Ma马云, verkündete nämlich, er werde 2015 darauf verzichten. Der Firmenchef des Online-Shoppinggiganten Alibaba gab in einem Statement bekannt, dass die Mitarbeiter seines Unternehmens keine roten Umschläge zum Neujahrsfest erhalten würden. Das chinesische Äquivalent zum Weihnachtsgeld sei gestrichen worden, da Alibaba 2014 zwar gut, aber nicht herausragend gearbeitet habe. Die Begründung sorgte für Entrüstung bei Chinas Netizens, da Alibabas Börsengang als großer internationaler Erfolg gilt. Netzbürger „Malikesi“ wundert sich deshalb:

 

Wenn ein Börsengang nicht als besonderer Erfolg bezeichnet werden  kann, dann weiß ich auch nicht mehr, was für Unternehmen überhaupt noch zählt. (…)如果说上市还不是特别成就的话,那不知道对于一个企业来说什么算了

 

Jack Ma ist ein Betrüger, ganz anders als meine Freunde马云就是骗子 还不如我的小伙伴们“ eschauffiert sich hingegen Weibo-Nutzerin „gouzhiburuozezeze“. Hinzugefügt hat sie außerdem ein Bild ihrer elektronisch verschickten und erhaltenen Geldgeschenke. Die Beträge werden nun immer häufiger in Gestalt einer E-Card versendet an die eine Überweisung geknüpft ist. So können sich Freunde gegenseitig einen Gruß zukommen lassen und sich meist kleine Beträge wie zum Beipsiel 8,88 Yuan (ca. 1,25 Euro) schenken.

 

Bei Weibo: Die elektronischen Geldgeschenke von Netizen „gouzhiburuozezeze, Screenshot, 13.2.2015

Bei Weibo: Die elektronischen Geldgeschenke von Netizen „gouzhiburuozezeze, Screenshot, 13.2.2015

 

 

Das Geschäft mit den roten Umschlägen

Doch es geht nicht nur darum möglichst viele Geldsendung von Freunden zu bekommen, es geht auch darum welche zu gewinnen. Für einige Firmen hat das Geschäft mit den elektronischen roten Umschlägen mittlerweile einen so großen Stellenwert, dass Chinas Zeitungen von einem Krieg zwischen den rivalisierenden Unternehmen sprechen. Ausgerechnet Alipay, Teil von Jack Mas Alibaba-Gruppe, kämpft an vorderster Front. Außerdem beteiligt sind die in China weitverbreiteten Nachrichtendienste der Firma Tencent: QQ und WeChat (auch bekannt als Weixin). Um ihre Konkurrenten zu übertrumpfen und User an den eigenen Konzern zu binden, verschenken sie bei Sonderaktionen immer mehr Gutscheine und Bargeld. Um wieviel Geld es geht, verdeutlicht die Zeitung „Beijing News“:

 

Alipay hat bekannt gegeben, dass es vom 11. Februar bis zum Neujahrstag rote Umschläge im Wert von 600 Millionen Yuan (ca. 84 Millionen Euro) verschicken werde. Daraufhin schlug WeChat zurück und verkündete, dass sie zum Frühlingsfest 500 Millionen Yuan (ca. 70 Millionen Euro) als Überweisungen und Gutscheine im Wert von drei Milliarden Yuan (ca. 420 Millionen Euro) verschicken werden. Zur selben Zeit verkündete auch QQ, man werde drei Milliarden als Geldgeschenke versenden.(....) 支付宝宣布从2月11日开始至正月初一发放6亿元红包。随后,微信开始反击,宣布2015年春节期间送出5亿现金加30亿卡券红包。与此同时,腾讯QQ也宣布将发出30亿红包。

 

Angesichts dieser Summen beschäftigt die chinesische Internetgemeinde vor allem eins: Was haben die Konzerne von diesen Aktionen? Das Nachrichtenportal „Sina Weibo“  erläutert die Hintergedanken:

 

Die Antwort lautet „Kampf um den Einstieg ins Geschäft“ und „Kampf um die Nutzerdaten“. Im Zeitalter des Internets sind online Bezahlungen ein extrem wichtiger Markt. Derjenige, der den Einstieg in dieses Geschäft schafft, kann sich eine Schlüsselposition in diesem Marktsegment sichern. Aber natürlich ist zu befürchten, dass die Internetunternehmen noch andere Absichten haben. Mithilfe der „roten Umschläge“ ziehen sie eine große Anzahl an Nutzern an und sammeln massenweise Nutzerdaten, mit denen sie auf den Nutzer zugeschnittenes Marketing betreiben können.答案是“抢支付入口”和“抢用户数据”。互联网时代,移动支付是至关重要的一项业务,谁抢到了这个重要入口,便意味着谁占据了赢得市场的先机。当然,对这些互联网企业而言,“红包大战”的目的恐怕不止于此,…,通过红包吸引大量用户、收集海量数据,对于其实现精准营销

 

 

Doch trotz der Warnungen wollen sich viele nicht die Chance entgehen lassen, Geld zu gewinnen. Welchen Einfluss Jack Ma & Co. mit ihrer Werbestrategie auf das wichtigste Familienfest in China haben, zeigt  der Kommentar von „Bessi stiftet ein bisschen Verwirrung“ bei Weibo:

 

Den roten Umschlägen bei WeChat und Weibo kann keiner widerstehen. Selbst meine Großeltern haben ein Handy in der Hand und sind verrückt nach den Gewinnen.这个微信微博红包的魅力真是无人能挡,连我姥姥姥爷都举个手机狂点红包

 

 

Zum Weiterlesen

 

Neujahrs-Special: Neujahrsgala 2015“, Newswok, 08.02.2015.

 

Joschka Heinz: „Einmal Freund zum Mitnehmen – Chinas Dating-Markt boomt zum Neujahrsfest“, Stimmen aus China, 09.04.2013.

 

Lisa Krauss: „Chinesische Hochzeiten – Eine Frage des Geldes“, Stimmen aus China, 29.07.2013.

 

 

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