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Chinas Zwei-Kinder-Politik – Können sich junge Chinesen ein zweites Kind leisten?

Schild in der Stadt Nanchang: „Haltet euch zum Wohle des Volkes und der Familie an die Familienplanung“ © Venus, via Wikimedia

Schild in der Stadt Nanchang: „Haltet euch zum Wohle des Volkes und der Familie an die Familienplanung“ © Venus, via Wikimedia

Im Jahr 2050 wird ein Viertel der Chinesen über 65 Jahre alt sein. Aus ökonomischen Gründen möchte die Regierung deshalb, dass wieder mehr Kinder geboren werden. Die Ein-Kind-Politik soll eine Zwei-Kinder-Politik werden. Doch obwohl viele die Lockerung der Geburtenpolitik begrüßen, macht sich unter Chinas Bloggern auch Skepsis breit: Wie sollen sie sich ein zweites Kind leisten können?

 

Laut den Beschlüssen des Dritten Plenums des Zentralkomitees der KPCh plant Peking einen Kurswechsel von der Ein-Kind- zur Zwei-Kinder-Politik.

 

Die lokalen Bestimmungen zur genauen Anzahl der erlaubten Kinder können sehr unterschiedlich sein. Vor allem Paaren, die in Städten leben, war bisher nicht mehr als ein Kind erlaubt. Ehepaare auf dem Land und nationale Minderheiten waren von dieser Regelung meist ausgenommen. Im ländlichen China durften Paare ein zweites oder drittes Kind bekommen, wenn das erste ein Mädchen war oder eine Behinderung hatte. Nun sollen auch im urbanisierten China zwei Kinder erlaubt sein, solange ein Elternteil Einzelkind ist. Dieses Kriterium dürfte auf die meisten angehenden Eltern zutreffen, da seit der Einführung der Ein-Kind-Regelung 1980 viele Einzelkinder in den Städten zur Welt kamen.

 

Negativfolgen der Geburtenpolitik

 

Gründe für eine neue Geburtenpolitik gibt es viele. In China wird es bald zu viele alte Menschen geben, die von zu wenigen Jungen versorgt werden müssen. Der Kolumnist Li Huafang fasst noch weitere Negativfolgen der bisherigen Geburtenpolitik zusammen.

 

Argumente gegen die Ein-Kind-Politik sind vor allem folgende: Erstens, die Ein-Kind-Politik in Kombination mit der Überalterung der Bevölkerung wird wie ein Schock auf Chinas Arbeitsmarkt wirken und nicht förderlich für die langfristige Wirtschaftsentwicklung sein. Zweitens, die von der Ein-Kind-Politik kreierten Probleme werden die psychische Verfassung der jungen Generation beeinflussen bzw. beeinflussen sie bereits jetzt. Denn der Schmerz einer Familie, die ein Einzelkind verloren hat, ist unermesslich. Drittens, die Geburtenpolitik lässt viel Raum für individuelle Korruption und schafft gleichzeitig institutionelle Korruption. (…)反对现行计划生育政策的理由大致上有这样几类:一是“一胎制”与人口老龄化趋势结合,将会冲击中国的劳动力市场,不利于经济的长期发展;二是“一胎制”造成的独生子女问题会影响而且正在影响中国年轻一代的心理,并且失去独生子女的家庭也在遭受难以估量的痛楚;三是计划生育政策本身造成了诸多腐败的空间,在形成制度性腐败的同时…。

 

Kinder sind teuer

 

Wie viele andere Blogger findet auch „Schlumpf Hakka Geschäft“, dass gar keine Vorschriften am besten wären.

 

Nicht jede politische Bestimmung ist für alle Haushalte passend. Natürlich unterstütze ich die Lockerung der Regelung, aber ob jemand ein Kind bekommt oder nicht, hängt vom Einzelnen ab. Man muss die persönlichen Umstände in Betracht ziehen.不是每个政策都适合每个家庭的,开放当然是支持的,但生不生就是个人的问题,要考虑个人因素。

 

Gerade die persönlichen finanziellen Umstände halten viele davon ab, ein zweites Kind zu wollen. Reporter Li Meng zum Beispiel schreibt:

 

Viele haben sich gefreut, als sie die Nachricht (von der Zwei-Kinder-Politik) gehört haben. (…) Aber selbst wenn alle Restriktionen aufgehoben werden, wie viele Paare können denn drei, vier, fünf Kinder haben? Wenn man so viele Kinder hat, bekommt man die denn überhaupt groß? Mein Sohn zum Beispiel kommt dieses Jahr in den Kindergarten. Jeden Monat muss ich eine Gebühr von 2.000 Yuan (ca. 244 Euro) bezahlen. Wieviel verdiene ich denn im Monat? (…) Einige Leute sagen mir, das sei nur in der Stadt so und auf dem Land gäbe es Zwei-Kinder-Familien. Aber das ist eine ganz falsche Annahme. Ich bin Reporter und komme deshalb viel rum in China. Auf dem Land wird die Zwei-Kinder-Politik zwar schon länger praktiziert, allerdings gibt es dort auch nicht mehr viele Zwei-Kinder-Familien. (…) Ich habe es dort selbst gehört. Eine Bäuerin hat als erstes Kind ein Mädchen bekommen, aber sie sagte, sie wolle kein weiteres. Warum? Weil sie kein Geld habe. Sie könne es sich nicht leisten, das Kind zu bekommen und großzuziehen.听到这个消息,好多人还很兴奋(…).就算立即全面放开生育,有多少夫妇会生三胎、四胎、五胎?生那么多,养得活吗?就说我吧,儿子今年上幼儿园,每月须缴费2000多元。我一个月挣多少啊?(…)有人说,你说的是大城市,农村生二胎的有的是。其实这完全是个错误的印象。作为记者,我几乎走遍了全国各地,(…). 农民本来已实行了多年的“有限二胎”政策 (…) 但现在,生二胎的已经不多了.(…)就亲耳听到一位农村妇女第一胎生了女孩儿,却表示不愿生二胎。为什么?因为没钱,生不起,养不好!

 

Von hier anfangen“ kommentiert auf ähnliche Weise:

 

Ein Kind zu gebären können wir uns leisten. Aber es großzuziehen ist unerschwinglich. Eine Windel kostet mehr als zwei Yuan (ca. 24 Cent), eine Dose Milchpulver kostet mehr als 300 Yuan (ca. 37 Euro). Und dann kommt noch viel mehr dazu. Wie belastend! Unsere Generation lebt nur für die Kinder. Und wenn wir alt sind, gehen wir im schlimmsten Fall ins Altersheim, damit wir den Kindern nicht zur Last fallen.生得起,养不起啊。一片尿片2元多,一罐奶粉300多,还有其余的,后面的等等,苦啊!这辈子就只为小孩活了。我们老了,大不了进老人院,也没有给小孩负担。

 

Wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua über die Beschlüsse des Zentralkomitees berichtete, will die Regierung Kinder künftig von der Last entbinden, ihre Eltern und Großeltern im Alter zu versorgen放开育幼养老. Welche Anreize und Unterstützung sie jungen Eltern bieten will, wird jedoch nicht erwähnt.

 

 

 

 

Zum Weiterlesen

 

Yong Yang: „Babyklappen in China – Lebensrettung oder Verführung zu Verantwortungslosigkeit?“, Stimmen aus China, 17.08.2013.

 

Rebekka Cordes: „13 Millionen Abtreibungen pro Jahr – Chinesische Netizens lehnen Schwangerschaftsabbruch ab“, Stimmen aus China, 18.04.2013.

 

Kategorien: Gesellschaft, Politik, Tags: , , , , , , . Permalink.

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Ein Kommentar zu Chinas Zwei-Kinder-Politik – Können sich junge Chinesen ein zweites Kind leisten?

  1. Pingback: China Nachrichten 31.10.15

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