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Chinesisch-amerikanischer Konflikt erhitzt die Gemüter – US-Manager von Arbeitern in Fabrik festgehalten

Zahlreiche Arbeiter in China sind unzufrieden mit ihren Arbeitsbedingungen und üben immer häufiger Protest © Wikimedia Commons

Zahlreiche Arbeiter in China sind unzufrieden mit ihren Arbeitsbedingungen und üben immer häufiger Protest © Wikimedia Commons

Chip Starnes, ein amerikanischer Geschäftsmann, der in China eine Produktionsstätte für medizinische Bedarfsgüter leitet, wurde wegen Gehalts- und Entschädigungsstreitigkeiten neun Tage lang in seinem Pekinger Büro festgehalten. Das chinesisch-amerikanische Verhältnis ist ohnehin von Spannungen geprägt. Dieser Vorfall sorgt erneut für Empörung.

 

Auslandsinvestitionen sind ein wesentlicher Bestandteil des chinesischen Wirtschaftswachstums und stellen viele Arbeitsplätze bereit. Jedoch ist auch reichlich Konfliktpotenzial vorhanden. Ende Juni 2013 hielten chinesische Arbeiter den amerikanischen Manager Chip Starnes über eine Woche lang in seinem Büro gefangen, bis es zu einer Einigung kam.

 

Widersprüchliche Angaben

 

Als Gründe gaben die Mitarbeiter an, sie hätten zwei Monate lang keinen Lohn erhalten und Angst gehabt, Starnes würde sich nach Indien absetzen. Der Manager verneint dies. Er wolle lediglich einen Teil der Produktion nach Mumbai verlegen. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua zitiert die widersprüchlichen Angaben der Beteiligten.

 

Laut einer Sprecherin der Arbeiter ist der betroffene amerikanische Chef der gesetzliche Vertreter der Firma. Er halte sich im Büro des Geschäftsführers auf und könne sich frei bewegen. Er sei keine Geisel und „hat Essen, Trinken und Obst“. (…) Da Gehälter ausstünden, könnten sie (die Arbeiter) ihn vorläufig noch nicht gehen lassen. (…) Starnes sagte: „Ich darf den ganzen Tag im Hof herumlaufen, aber sie lassen mich nicht zum Tor raus“. (…) Jede Nacht schlafe er im Büro. Starnes erzählte, dass die Firma derzeit das Geschäft mit Plastik allmählich einstelle und plane, damit nach Mumbai umzusiedeln. Er sei am vergangenen Dienstag nach Peking gekommen, um 30 Mitarbeiter zu entlassen. Einige von ihnen hätten bereits neun Jahre für die Firma gearbeitet. „Sie haben eine großzügige Abfindung erhalten.“ Starnes berichtete, dass am vergangenen Freitag Arbeiter einer anderen Abteilung Gerüchte gehört hätten, dass die ganze Firma nach Indien verlegt werden solle und hätten (daraufhin) eben solche Abfindungen gefordert. Starnes führte aus, dass er seit Freitag letzter Woche von den Arbeitern im Büro festgehalten werde. 80 Mitarbeiter blockierten Tag und Nacht jeden Ausgang, ließen immerzu das Licht in seinem Büro brennen und schlügen gegen die Fenster. Er konnte deswegen kaum schlafen.据一名女工代表称,当事的美国老板是企业的法人代表,目前呆在厂区总裁办公室,行动自由,并非被绑架,“有吃有喝有水果。”(…),因为拖欠工资,他们暂时不能让其离开。(…)“我白天可以在厂区院里走一走,但他们不让我出大门。”史塔尼斯表示,…,他每天晚上都睡在这间办公室里。史塔尼斯表示,公司正在逐渐关闭在中国的塑料业务,计划将公司搬到印度的孟买。为此,上周二,他到北京后,辞掉了30名员工,其中有人已在厂里 工作了9年,“他们获得的经济补偿很丰厚。”史塔尼斯说,上周五,其他部门的一些工人得到了风声,再加上受整个工厂都将搬到印度的传言影响,开始索要类似 的离职遣散费。史塔尼斯说,从上周五开始,工人把他困在办公室,80名工人昼夜挡住各个出口,向他的办公室照明,并击打窗户,搅得他难以入睡。

 

Die Rolle der Behörden

 

Die chinesischen Behörden hielten sich aus dem Vorfall weitestgehend raus. Sie versorgten den Manager lediglich dreimal täglich mit Essen und achteten darauf, dass es zu keinen Ausschreitungen kommt. Blogger „Jieluode“ zieht daraus folgende Schlüsse:

 

(…) Wenn man sagt, dass chinesische Beamte ihre Hauptaufgabe eher darin sehen, Chaos zu unterdrücken, würde ich sagen, dass amerikanische Kapitalisten eher dazu neigen, Aufstände zu kreieren.(…) 与其说中国官员认为他们的第一要务是镇压骚乱,倒毋宁说美国资本 家在中国的第一要务是制造骚乱。

 

pns1977“ findet jedoch, dass Protest durchaus angebracht ist.

 

Beim Kampf gegen den Kapitalisten muss man resolut sein, egal woher er kommt.和资本家斗一定要坚决,不管他是哪一国的。

 

Bloggerin „Shanmeizi“ lobt die Regierung – allerdings nicht ganz ohne Seitenhieb.

 

Das hat die Regierung gar nicht schlecht gemacht. Die Arbeiter wurden nicht mit Gewalt angetrieben. Besonders bei Staatsunternehmen ist es verbreitet, dass Arbeitnehmerrechte nicht beachtet werden. Wenn Arbeiter es wagen, zu protestieren, werden sie mit Gewalt von der Regierung unterdrückt. Die Arbeiter sind eine schwache Schicht, aber wenn sie verzweifelt sind, weiß man nicht, zu welchen erstaunlichen Großtaten sie fähig sind.政府做的不错、没有暴力驱赶员工。特别是国企不遵守劳动法太普遍了、员工若敢反抗ZF暴力镇压。员工属于弱势群体但逼急了真不知道会干出什么惊人的大事。

 

Viele patriotische Stimmen

 

Das Verhältnis zwischen China und den USA ist durch Stimmungsmache auf beiden Seiten bereits angespannt. Viele chinesische Internetnutzer zeigen sich daher besonders patriotisch. „Yiren“ beispielsweise kommentiert einen chinesischen Artikel von Voice of America zum Thema wie folgt:

 

Voice of America soll bitte beachten, dass es sich um eine amerikanische Firma handelt, die in China ihre Geschäfte macht. Sie muss sich an chinesische Gesetze und Regeln halten. Amerikaner können sich auf chinesischem Boden nicht einfach daneben benehmen. Wer Schulden hat, muss diese zurück zahlen. Das ist nur recht und billig.请美国之音注意的是,这家美国公司是在中国境内展开经营,它必须遵守中国的法律法规。中国的大地不是美国人可以撒野的地方。欠债还钱,此乃天经地义。

 

Bai Yun gelber Kranich Wächter“ geht noch einen Schritt weiter:

 

Die Chinesen wollen die Herren sein und keine Sklaven!中国人民要做主人,不做奴仆!

 

Einige Blogger sehen die Sache zwar patriotisch, aber weitaus pragmatischer, denn immer öfter suchen sich Unternehmen neue Standorte in Südasien. Sie können dort meist noch günstiger produzieren. Liu Guoping schlägt vor, dass die Firma einfach in einen anderen Bezirk oder eine andere Provinz umsiedeln solle, denn:

 

(…) dort sind die Löhne niedriger und die Regierung ist toleranter.(…) 那里工资水平要比怀柔要低,政府也比怀柔政府更宽容。

 

 

 

 

Zum Weiterlesen

 

US boss Chip Starnes released from China factory”, BBC, 27.06.2013.

 

Chinesische Arbeiter halten Chef aus USA seit Tagen gefangen“, Die Zeit, 25.06. 2013.

 

Tobias Adam: „40 Jahre sino-amerikanische Beziehungen – ein empfindliches Gebilde aus Kooperation, Vertrauen und Zweifel“, Stimmen aus China, 04.06.2012.

 

Kategorien: Politik, Wirtschaft, Tags: , , . Permalink.

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