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Die Mutter des Erfolgs – Erziehung chinesischer Prägung

Amy Chua und ihre Töchter – ein Spiegel chinesischer Erziehung? © Qalandariyya via Wikimedia Commons

Amy Chua und ihre Töchter – ein Spiegel chinesischer Erziehung? © Qalandariyya via Wikimedia Commons

In Amerika löste Amy Chuas Buch „Die Mutter des Erfolgs“* einen Sturm der Entrüstung aus. Die aus China stammende Yale Professorin liefert darin eine detaillierte Anleitung, wie die eigenen Kinder systematisch zur Höchstleistung erzogen werden können. Perfektionistisch, unnachgiebig, ehrgeizig – chinesisch eben. Und vor allem: erfolgreich. Chinesische Netizens diskutieren über Sinn und Unsinn einer solchen Erziehung.

 

Die ältere Tochter gibt mit 14 Jahren Klavierkonzerte in der Carnegie Hall. Die jüngere perfektionierte das Violinenspiel bis sie rebellierte. In der Schule sind beide Klassenbeste. Freizeit? Nicht notwendig. Ein Blick in gängige Internetblogs in China macht jedoch deutlich, dass Amy Chuas Ansichten ein durchaus geteiltes Echo auslösen.

 

Chinesische Werte in höchstem Maße

 

Der Weibo User „Ludwig_Sun“ findet Gefallen an Amy Chuas Buch.

 

„Die Mutter des Erfolgs“ ist ein wirklich lesenswertes Buch. Sie (die Autorin) preist in höchstem Maße typisch chinesische Werte an und lehnt sich gegen den westlichen Liberalismus sowie die Bequemlichkeit des Individualismus auf. Die Erziehung ihrer eigenen Kinder ist zwar ein wenig härter, aber ihr Leben ist (auf Grund der Erziehung) schöner und reicher.虎妈赞歌》确实是一本值得一读的好书 (…) 她对孩子成就的高要求和对孩子投入的大量时间和精力均非常人所能比。她高度赞赏传统中国的价值,抵抗西方自由主义和个人主义的舒适惬意。她的孩子成长虽然有些辛苦,但人生却更加精彩和充实.

 

Früchte des Erfolgs durch harte Arbeit

 

Bloggerin „Olivenbaum im Traum“ führt aus, dass die Erziehungsmethoden zwar hart seien, sich letztendlich aber auszahlen würden.

 

Es kann sein, dass die Kinder sie (Amy Chua) ein wenig hassen, weil sie so viel Freizeit verlieren und der Drill ziemlich hart ist. Aber ich glaube, dass Hass lediglich eine vorübergehende innere Emotion ist. Wenn Kinder am Ende gut ausgebildet sind, dann haben sie viel mehr Freude an der Musik und der Erfolg bringt ihnen Erfüllung. (…) Und wenn sie nicht von klein auf hart gedrillt worden wären, wie könnten sie dann die Früchte ihres Erfolges genießen?孩子们可能会因为失去很多玩的时间, 训练得太刻苦, 有些恨她, 但我相信恨只是暂时的心理状态, 实际上当她们达到了一定的高度以后,她们更多的是能享受音乐带给她们的乐趣, 以及成功带给她们的喜悦, (...) 而如果没有从小的培养刻苦训练, 她们又怎会享受到成功的果实呢?

 

„Olivenbaum im Traum“ erkennt somit die Sinnhaftigkeit hinter einer strengen Erziehung und fühlt sich durch Gespräche mit ihren amerikanischen Freunden in ihren Ansichten bestätigt.

 

Ich höre in letzter Zeit meine amerikanischen Freunde immer häufiger sagen, dass sie sich wünschten, dass ihre Eltern in der Erziehung strenger gewesen wären. Wenn sie z.B. dazu gezwungen worden wären, Chinesisch zu lernen, dann könnten sie heute wahrscheinlich auch Chinesisch sprechen.我现在经常听到一些老美朋友说, 真希望我小时候我父母怎样怎样...比如逼我学中文了, 那我现在就会说中文了

 

Geltungsbedürfnis der Erwachsenen

 

Etwas neutraler äußert sich Bloggerin „Auf das Herz hören“. Sie arbeitet als Erziehungsberaterin und ist Mitglied der China Association of Mental Health. Sie vertritt den Standpunkt, dass es kein einheitliches Erziehungsmodell für den Erfolg geben kann.

 

(…) Erziehung ist ein laufender Prozess. Unterschiedliche Kinder brauchen unterschiedliche Erziehungsmethoden. Es gibt kein spezielles Modell für eine erfolgreiche Erziehung. (…) Der Kernpunkt einer Erziehung sind die Kinder selbst, nicht das Geltungsbedürfnis der Erwachsenen.(…) 教育总是在进行之中。而不同的孩子则适用于不同的教育方式,绝没有模式化的成功教育. (...)做到教育的核心是自己的孩子而不是成人的虚荣心.

 

Mensch gleich Mensch

 

Yang Dongping“ ist Professor für Pädagogik an der Technischen Universität in Peking. Er kritisiert, dass die Methoden von Amy Chua gegen Grundpfeiler der Erziehungswissenschaft verstoßen.

 

Das Erziehungssystem der „Tigermutter“ stürzt grundlegende Werte und Prinzipien der Erziehungswissenschaften. Natürlich führen strenge Kontrolle, intensives Rezipieren, hoher Druck und Strafen in der Regel zu besseren Schulnoten. Das ist sowohl beim Militär als auch bei der Akrobatik der Fall. In China nehmen die Prüfungsvorbereitungen nahezu die gesamte Zeit der Kinder in Anspruch, sogar Schlafens- und Ruhezeiten. Spielen und Freizeitlektüre sind verboten. Zusätzlich werden sie nicht zu kritischem Denken ermutigt. (…) Eine gravierende Konsequenz dieses Modells ist, dass es die Lust auf Lernen, die Vorstellungskraft und die Kreativität erstickt und die Kinder von Anfang an eine Abneigung gegen das Lernen entwickeln. Ob man den „Menschen“ fördert, oder das „Talent“, das Streben nach oberflächlichem Erfolg oder lebenslanges Glück der Kinder, steht dabei überhaupt nicht zur Debatte. Das alte, aber starke Wertesystem, auf das sich die Tigermutter stützt, beschreibt ein Streben nach Außergewöhnlichem, einer strahlenden Zukunft für die Kinder. (…) Als Tao Xingzhi** die Werte von zivilisierter Erziehung diskutierte betonte er ausdrücklich, dass Menschen zur Gleichheit und nicht zur Überlegenheit erzogen werden sollten. Wenn dieses Bewusstsein nicht vorhanden ist, dann kann die Kindererziehung nicht ihren natürlichen Lauf gehen.虎妈”的教育之道在很多方面颠覆了教育学的基本价值、基本原理。毫无疑问,严苛管制、强化训练、高压和惩戒通常可以提高孩子的学习成绩,这与军体、杂技训练并无二致。在国内,这种应试训练已经发展到占用孩子几乎所有时间、包括睡眠和休息时间,不允许玩乐和看“闲书”,而且完全不鼓励批判性思维 (...)这一模式的严重后果,就是扼杀孩子的学习兴趣、想像力和创造力,导致学生从小就严重厌学. 是培养“人”还是“才”,是追求表面的“成功”还是孩子的终身幸福,不完全是方法问题。支撑“虎妈”的是一个古老而强大的价值观,就是追求出人头地、望子 成龙。(...) 陶行知在谈到公民教育的价值时,特别强调要培养“人中人”而非“人上人”,没有这种公民意识就没有对待儿童的“平常心”。

 

Ihre Kritik an den Erziehungsmethoden der „Tigermutter“ drückt Bloggerin „Kranich reiten hinab nach Yangzhou“ drastischer aus.

 

Wenn nun in den gesamten Vereinigten Staaten die Mütter zu Tigermüttern werden, dann ist in absehbarer Zeit der Niedergang der USA zu erwarten.(...) 如果全美国的妈妈都变成虎妈,那么美国的衰落也就指日可待了.

 

 

 

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* In den USA erschien das Buch im Jahr 2011. Der englische Originaltitel lautet: „Battle Hymn oft he Tiger Mother“. In Anlehnung an den Buchtitel wird Amy Chua umgangssprachlich auch „Tigermutter“ genannt.

 

** Tao Xingzhi war ein chinesischer Erziehungswissenschaftler

 

 

Zum Weiterlesen

 

Sandra Kegel: „Wie die Tigermutter ihre Kinder zum Siegen drillt“, FAZ, 22.01.2011.

 

Yang Dongping: „Verrückte Mütter“, Die Welt (übersetzter Originaltext), 02.02.2011.

 

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