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„You’re in the army now!“ – Chinesische Blogger berichten über den Militärdienst

Soldaten der chinesischen Volksbefreiungsarmee © Chairman of the Joint Chiefs of Staff

Soldaten der chinesischen Volksbefreiungsarmee © Chairman of the Joint Chiefs of Staff

Die chinesische Volksbefreiungsarmee ist mit fast drei Millionen Soldaten das größte Militär der Welt. Neben dem Karriereweg des Berufssoldaten existiert auch in China die Pflicht eines zweijährigen Militärdienstes. Dieser wird wegen der hohen Anzahl von Freiwilligen jedoch so gut wie nie eingefordert.

 

Der Militärdienst ist beliebt. Nicht zuletzt bei jenen, die sonst wenige Optionen haben. Neben einem ansehnlichen Sold und der Möglichkeit, dem Wohnungsregistrierungsgesetz  zu entkommen, erhoffen sich viele Chinesen, durch zwei Jahre Militärdienst Vorteile in der Gesellschaft oder im Berufsleben. Dienst an der Waffe leisten meist junge Männer zwischen 18 und 22 Jahren. Auch Frauen sind zugelassen, besetzen außerhalb der Berufsarmee aber eher niedrigere Positionen.

 

Um mehr qualifizierte Rekruten zu gewinnen, wurde 2011 das Gesetz zum Militärdienst umgestaltet. Danach haben nun auch junge Akademiker die Gelegenheit, einen zweijährigen Dienst abzuleisten, ohne Einbußen beim Studium zu verzeichnen. Als Anreiz bietet der Staat dazu eine finanzielle Unterstützung von ca. 6.000 Yuan (ca. 730 Euro) im Jahr. Inwiefern dies den sozialen Aufbau in der Armee umstrukturieren wird, bleibt zu beobachten.

 

Individuelle Gründe für den Beitritt zum Militär

 

Blogger „Wie der Torf im Strom” versucht gegen das Vorurteil anzugehen, dass sich nur jene verpflichten, die aus parteitreuen Kaderfamilien oder niederen Gesellschaftsschichten stammen.

 

Ganz ehrlich, ich bereue die zwei Jahre (Militärdienst) überhaupt nicht und ich glaube, viele meiner Kameraden, die mit dem Militärdienst fertig sind, würden das auch so sagen. Die meisten meiner Kameraden sind sehr ehrliche Kerle. Ich weiß nicht, von was für Leuten ihr redet, aber verwöhnte Beamtenkinder oder sonstiges „Gesocks“ haben wir eigentlich kaum dabei. (…) Es ist eine reine Lebenserfahrung, in der Armee zu dienen. Wenn wir unsere Uniform ausziehen, sind auch wir ganz normale Menschen, die sich in ihrem Job engagieren.说真的,两年我不后悔,相信很多退伍的战友也是这样想的吧,我身边的战友真的都是很朴实的小孩,95年到90年的都有,你们说的什么子弟啊,二代啊,混子啊,真的是极少数,(…) 军旅只是人生命中的一个经历,我们脱下那身衣服就是普通人,忙碌在各个岗位.

 

Militärdienst als Prestigepflege

 

Als Antwort schreibt Blogger „archillouma”, dass er aus dem Kommentar vor allem eines heraus liest: Wer nicht bei der Armee war, ist kein echter Mann.

 

Es gibt nicht viele, die tatsächlich in der Armee dienen können. Ich zum Beispiel hatte mich an einer Militärhochschule beworben. (…) Ich habe eine gute Sehkraft, bin im Basketballteam der Schule, hatte kein Hepatitis B, kein Tattoo, einen unverfänglichen politischen Hintergrund. Zum Schluss wurde ich nach dem Test nur nicht genommen, weil ich keine 30.000 Yuan bezahlt habe. (…) Könnt ihr euch vorstellen, wie ich mich da gefühlt habe?能当上兵的不是多数,例如我高考报军校。(…) 我不近视,篮球校队,无乙肝,没纹身,政治背景清白,最后就因为我没给3W块,体检结束后通知我不合格。(…) 你知道我的心情么?

 

Morgenröte zur Zeit der Abendsonne“ wiederum merkt an, dass das Militär auch vielen eine zweite Chance bieten kann.

 

In der Tat gibt es in unserer Gesellschaft viele „asoziale“ junge Leute, die von ihren Familien rausgeworfen werden und dann zwei Jahre zum Militär gehen. Aber immerhin haben sie sich nach ihrem Militärdienst zu einem gewissen Grad weiterentwickelt. Und wir alle haben gesehen, was die Soldaten zum Beispiel nach Erdbeben oder bei anderen gefährlichen Situationen für eine herausragende Arbeit leisten.诚然社会上很多都是所谓的混不下去的年轻人被家里扔去当俩年兵,但毕竟这部分人出来后比较当兵前是有所长进的,而且大家都看到部队在例如地震救险等方面表现优秀。

 

Heroisierung der Soldaten

 

Eine große Verbreitung findet im Internet auch der Tagebucheintrag eines anonymen Soldaten, welcher den nationalistischen Kult, mit dem sich manche Soldaten umgeben, kritisiert. Genauso wenig verstehen kann er die Oberflächlichkeit mancher Mädchen, die Soldaten anhimmeln, nur weil diese eine Uniform tragen. Weitergeleitet hat diesen Eintrag beispielsweise „elegant de mutlos“.

 

Ich weiß, dass viele Mädchen auf Jungs aus der Armee stehen. Aber was ihr (die Mädchen) daran wirklich mögt, ist weniger der „Junge“ als die „Armee“. Ihr steht auf die Uniform, wisst aber nicht, wie ihr dem Menschen der sie trägt beistehen könnt. Die Freundin eines Soldaten zu sein ist in Wirklichkeit sehr anstrengend und einsam. Aber wer kümmert sich schon um den Kummer eines Soldaten?我知道现在有很多女孩喜欢军人,但你们喜欢的是“军”,不是“人”,你们喜欢的是这身军装,却不了解撑起这身军装内在的灵魂!做一个军人的女朋友确实很辛苦很累,很孤单寂寞,但谁又知道这个军人心里苦啊?

 

Blogger „Juniar Mitglied“ spricht unterschiedliche Beweggründe für die Teilnahme am Militärdienst an. Unpassend findet er aber vor allem jene, die nur beim Militär sind, um sich zu profilieren.

 

Warum geht man zur Armee? Jeder Mensch denkt anders. Deswegen unterscheiden sich auch die Vorstellungen über die Armee. Manche gehen zur Armee, weil sie Soldaten werden wollen. Das sind quasi die „Fans“ des Militärs. Manche wiederum gehen zur Armee, um zur Stabilität ihres Landes beizutragen und wieder andere dienen, weil sie zu besseren Menschen werden wollen. Und dann gibt es noch die schwarzen Schafe, die nur zum Militär gehen, um damit anzugeben.当兵为了什么?出于每个人的想法不同,所以每个人的当兵理念都不同,有些是为了当兵而当兵,这就是军迷!有些为了国家稳定而当兵,还有一些为了纠正自己而当兵。当然也有最坏的一种,为了自己的逞强而当兵。

 

Was auch immer die Beweggründe sein mögen, die Teilnahme am Miltiärdienst ist gerade unter jungen Chinesen weiterhin sehr gefragt.

 

Zum Weiterlesen

 

Michael Wines: „Loosening Rules, China Allows Facial and Neck Tattoos to Join Army“, The New York Times, 02.11.2011.

 

Xinhua: „China revises military service, ID laws“, China Daily, 30.10.2011.

 

Wang Fan: „Military service looking better to China’s university students“, Ecns.cn, 08.12.2011

 

 

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