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Kohle, Kupfer, Gold in der Mongolei: Kann chinesisches Investment bilaterale Beziehungen verbessern?

DieKohl-Mine Tavan Tolgoi @WikimediaCommons

Die Kohle-Mine Tavan Tolgoi @ WikimediaCommons

Eigentlich wären China und die Mongolei perfekte Kooperationspartner. Die Mongolei ist reich an Ressourcen, an denen die chinesische Industrie großen Bedarf hat. Insbesondere Kohle und Kupfer stehen hoch im Kurs. Und Oyu Tolgoi, die größte Kupfer-Mine der Mongolei liegt nur 80 km von der chinesischen Grenze entfernt. Doch in der Realität sind China und die Mongolei alles andere als beste Freunde. Können chinesische Investitionen die nachbarschaftlichen Beziehungen tatsächlich aufwerten?
Die Regierung in Ulan Bator hat Vorbehalte, chinesische Direktinvestitionen im Bergbau-Sektor zu befürworten. Sie sind sogar bereit, wirtschaftliche Einbußen in Kauf zu nehmen, um ihre Unabhängigkeit zu bewahren. Die Regierung bevorzugt es, mit Russland zusammen zu arbeiten, obwohl es aufwändiger und kostenintensiver ist. Dies erkennt man am Vorgehen der staatlichen Bahngesellschaft, die kürzlich entschied, das Zugnetz weiter auszubauen. Anstatt zur chinesischen Grenze sollen die Züge jedoch vermehrt in Richtung der sibirischen Hafenstädte rollen.
Wirtschaftliche Unabhängigkeit um jeden Preis?
Durch das Vorhaben verdreifachen sich die Transportkosten und verringern den Wettbewerbswert der mongolischen Rohstoffe. Netizen „ltm__76” geht davon aus, dass die überteuerten Mineralien kaum mehr zu vermarkten sein werden.

 

Lass die ausländischen Firmen in die Förderung investieren (…). Einfach ausgedrückt: Lass sie Tofu zu Fleischpreisen verkaufen – dann können sie sehen, wer es noch haben will! 要我说:让外国公司出钱开采(...)用土话说:让他们把豆腐盘成肉价钱,看谁还要。

User „xianggll5” ist der Meinung, dass die mongolische Strategie mehr Schaden als Nutzen bringen wird.

 

Die mongolischen Vorbehalte gegenüber den Chinesen sind nachvollziehbar, aber dass die mongolische Regierung chinesische Investoren kategorisch ablehnt, ist ein strategischer Fehler (…) Ulan Bator beschränkt den Mineralien-Zufluss nach China – das gleicht einem Selbst-Embargo.蒙古对中国的担心可以理解,但蒙古政府形同断然拒绝中国投资其采矿业的做法是个战略错误(...) 乌兰巴托恨制矿物流入中国无异于自我禁运。

Chinesische Netizens wundern sich über Mongolen
User „xmanzb” hingegen versteht nicht, warum politische Meinungen die Wirtschaft so sehr beeinflussen.

 

Wir schauen auf die Mongolen herab, aber das hindert uns nicht daran, ihr Geld zu verdienen, oder?我们也看不起蒙古,但是这妨碍我们去挣蒙古人的钱,怎么了?

Doch nicht alle sind sich einig, denn manche Blogger wie „dadaoqishi“ verteidigen die mongolische Regierung.

 

Die Mongolen haben sich nicht falsch verhalten. Sie versuchen doch auch nur, ihren eigenen Vorteil zu maximieren. 蒙古国没犯贱,人家是为了达到自身利益的最大化。

Netizen „ZhanLüeJiaXiaoHaHa“ spricht den Mongolen ebenfalls seine Zustimmung aus. Er sieht in der Situation eine Möglichkeit zur Weiterentwicklung für chinesische Firmen.

 

Erst einmal möchte ich der mongolischen Regierung danken, dass sie nicht zur Abhängigkeit von China oder Russland beigetragen haben, sondern zum fairen Wettbewerb (…). Das Nachbarland akzeptiert nicht mal unsere korrupten, betrügerischen, diktatorischen Firmen. Das ist eine Antriebskraft für Reformen. 首先特别要感谢蒙古政府没有对中国,俄罗斯形成过依赖形成公平竞争(...)领国都不接受我国腐败骗人独裁的企业,是个促进改革的力量。

Verhandlungen um Mine stocken
Insgesamt sind die chinesisch-mongolischen Beziehungen unabhängig von chinesischen Investitionen immer noch nicht sehr harmonisch. Schon seit vielen Monaten laufen die Verhandlungen des chinesischen Unternehmens Shenhua, in die mongolische Kohle-Mine Tavan Tolgoi zu investieren. Es geht um vier Milliarden US-Dollar. Doch ein Abschluss scheint nicht in Sicht.
User „Ding Sheng Jun Shi Fei Bao“ fasst treffend zusammen:

 

Die Lage zwischen China und Mongolei ist nicht nur angespannt, sondern sehr angespannt (…). Niemand glaubt, dass die Beziehungen freundlich sind, einige Regierungsbeamte eingeschlossen. 中国与蒙古国的关系不是一般的紧张,而是非常紧张(...)没有人认为中国与蒙古国的关系是友好的,包括某些官员

Zuletzt stockten die Verhandlungen auch wegen des Zusammenbruchs der Börsen in China. Zudem stellt das mongolische Parlament eine weitere Hürde dar, denn es muss dem Geschäftsvorhaben erst zustimmen. Dies scheint beim momentanen Klima allerdings sehr unwahrscheinlich.
Zum Weiterlesen
Ana Radic: „Rohstoffstreit in der Mongolei – Eine Gesellschaft von Milliardären und Bettler“, Deutschlandfunk, 28.02.15.
Angela Köckritz: „Der Schatz von Tavan Tolgoi“, Die Zeit, 20.09.12.
Jon Springer: „Day 819: Mongolia’s Mining Squabbles Squander Sovereignty and Gift China Power“, 16.02.15.
Reuters: „Mongolia unlikely to seal US$4 billion coal mine deal, says minister“, South China Morning Post, 03.09.15.

 

„China matters: Ein Informationsportal für die Zivilgesellschaft“, mit freundlicher Unterstützung durch die Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen

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Kategorien: Politik, Umwelt, Tags: , , , . Permalink.

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