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Hongkongs Haushaltshilfen: Ausbeutung in der Fremde

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Haushälterinnen an ihrem freien Tag in Hongkongs Innenstadt © Mcyjerry, via Wikipedia

Viele tausend ausländische Haushaltshilfen schuften tagtäglich in Hongkongs Haushalten. Wie schlecht ihre Arbeitsbedingungen zum Teil sind, brachte nun der Fall um die Indonesierin Erwiana ans Licht.

 

320.000 Gastarbeiter kümmern sich in Hongkong um Hausarbeit, Kinder, oder kranke Familienmitglieder. Die Hälfte von ihnen stammt aus Indonesien, viele andere von den Philippinen und die meisten von ihnen sind Frauen. Sie lassen ihre Heimatländer und Familien zurück, um in Hongkong Geld zu verdienen.

 

Einen Mindestlohn von rund 130 Euro sollen die Haushaltshilfen gemäß der gesetzlichen Vorgaben monatlich erhalten. Für dieses Geld müssen manche aber nicht nur schwere Arbeit leisten, sondern auch einiges erdulden.

 

Misshandlungen der Haushaltshilfen

 

Immer wieder kommt es zu Misshandlungen der Haushaltshilfen. Besonders ein Fall sorgte in Hongkong für Entsetzen. Die Hausherrin Law Wan-tung羅允彤 quälte ihre indonesische Angestellte Erwiana, indem sie sie schlug, ihr nur vier Stunden Schlaf zugestand und ihr kaum etwas zu essen gab. Hinzu kam außerdem, wie das Nachrichtenportal „Apple Daily“ schreibt:

 

Erwiana berichtete, dass Law sogar den Staubsaugerschlauch nahm und ihn ihr gewaltsam in den Mund rammte, wenn sie nicht zufrieden war. Im Winter bespritzte Law Erwiana mit kaltem Wasser und verlangte von ihr, sich nackt mit dem Föhn zu trocknen und zu arbeiten. Als „furchtbar“ beschrieb Erwiana die Hausherrin. Sie sagte außerdem: „In dieser Zeit fühlte ich mich, als würde ich nur Fehler machen. Es war unglaublich schwierig und unerträglich.“依維娜稱,羅高興時,還會拿吸塵器的管子塞在她嘴裡攪動,冬天用冷水淋她,接著要她裸體站著吹電風扇和工作。依維娜曾以「很恐怖」形容女主人,並表示:「那段日子,我覺得自己做什麼都錯,好難受好難捱。

 

Nachdem die Hausangestellte Erwiana im Januar 2014 aus Hongkong geflohen war und der Fall an die Öffentlichkeit gelangte, reagierte die Hongkonger Internetgemeinde schockiert. Dabei muss nicht nur Erwiana solche Arbeitsbedingungen ertragen. Eine Untersuchung der Organisation Amnesty International aus dem Jahr 2013 zeigt, dass 58 Prozent der Haushaltshilfen verbal, 18 Prozent körperlich und 6 Prozent sexuell von ihren Arbeitgebern missbraucht wurden.

 

Schwierige Verhältnisse

 

Die Haushaltshilfen leben in der Regel allein bei der Familie, für die sie arbeiten. Dadurch haben sie nicht nur kaum Freizeit, sondern sind auch oft sozial isoliert. Unter diesen Umständen kann es immer wieder unentdeckt zu Misshandlungen kommen. Es kann aber auch zu unbegründeten Anschuldigungen führen, wie ein anderer bekannter Fall zeigt. Eine Haushaltshilfe behauptete, sie sei von ihrer Arbeitgeberin misshandelt worden, um Schadensersatz kassieren zu können. Angesichts dieser Fälle ist es Netzbürgerin „Ivy Yu“ wichtig, auf eine Sache hinzuweisen:

 

In Hongkong verlassen sich sehr viele Familien auf Haushaltshilfen, die sich um die Kinder und Alten kümmern. Die Mehrheit dieser Familien ist den Angestellten gegenüber äußerst höflich, denn Sie wollen vermeiden, dass die Kinder und Alten unter einem schlechten Verhältnis zu den Angestellten leiden. (…) 香港好多家庭都要依靠女傭照顧小朋友同老人,絕大多數雇主都對女傭好客氣,以免得罪佢地而害左小朋友同老人家。(…)

 

Auch Law Wan-tung sah sich jedoch zu Unrecht beschuldigt. Schließlich hätten ihre Taten keine bleibenden körperlichen oder psychischen Schäden hinterlassen. Sie wurde trotzdem im Februar 2015 von einem Hongkonger Gericht zu einer Geldstrafe von 1.700 Euro und sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Da die 44-jährige keine Reue gezeigt hatte, reagieren viele Hongkonger hämisch auf das Urteil. Sarkastisch kommentiert zum Beispiel „Mizhe“ einen Online-Artikel:

 

Gratulation! Gratulation! Sechs Jahre ohne Miete, Wohnsteuern und Gebäudemanagementkosten zahlen zu müssen.恭喜!恭喜! 六年免租金,免差餉,免管理費.

 

Doch größtenteils kommt das Urteil im Netz gar nicht gut an. Netizen „Joan“ fragt enttäuscht:

 

Sechs Jahre? Das ist zu wenig!  6年?太少﹗

 

Und auch „France Yu“ kommentiert einen Artikel zum Thema aufgebracht:

 

Sechs Jahre sind so wenig und uneffektiv! So ein abnormaler Teufel muss lebenslang ins Gefängnis. 6年咁少益咗呢隻變態魔鬼應判終身監禁。

 

Die Reaktionen zeigen, dass viele Hongkonger auf ein strengeres Urteil mit größerer, abschreckender Wirkung gehofft hatten. In ihrem Urteil regte die Richterin aber auch eine Lösung für die Probleme an. Sie schlug vor, dass die Haushaltshilfen nicht länger bei ihren Arbeitgebern leben sollten, dann wären einige dieser Fälle verhinderbar.

 

Bisher jedoch, so beschweren sich Hongkongs Medien, habe die Regierung nichts unternommen, um die Arbeitsbedingungen für die Haushaltshilfen zu verbessern. Sie betrachtet Erwianas Geschichte als Einzelfall. Dabei treffen die meisten Gastarbeiterinnen auf ähnliche Schwierigkeiten. Ein großes Problem ist die soziale und sprachliche Isolation. Ohne Kontakte und Wissen über ihre Rechte, trauen sich die Haushaltshilfen oft nicht, Misshandlungen zur Anzeige zu bringen. Würde sich das ändern, könnten sie sich selbstständig Hilfe suchen. An die Umsetzung solcher Vorschläge ist jedoch noch lange nicht zu denken.

 

Für diejenigen, die von dem Gerichtsurteil und der Regierung enttäuscht sind, bleibt derzeit nur, sich Zeitungsleser „Kingkeong Chang“ anzuschließen. Er prophezeit höhere Gerechtigkeit:

 

Im nächsten  Leben wird Law Wan-tung als Huhn auf Erwianas Bauernhof wiederkommen.下輩子去當她的農場的雞

 

 

 

 

Zum Weiterlesen

 

Haft für Hongkongerin wegen Putzfrau-Quälerei“, Deutsche Welle, 27.02.2015.

 

Katja Pessl: „Streiks in Chinas Schuhfabriken: Arbeiter allein gegen Gewerkschaften, Partei und Unternehmer“, Stimmen aus China, 13.05.2014.

 

Hilary Whiteman: „Amnesty report: Indonesian domestic workers exploited in Hong Kong”, CNN, 21.11.2013.

 

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