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„Lediglich kein Rückschritt” – Eine Bewertung der Klimakonferenz in Cancún

Eine Bewertung der Klimakonferenz in Cancún 2010

Vom 29. November bis 10. Dezember 2010 versammelten sich mehr als 190 Nationen in Cancún, Mexiko, um bei der UN-Klimakonferenz Entscheidungen zum Schutz des Klimas zu fällen. Nach Tagen voller Uneinigkeiten und geringen Fortschritten endete die Konferenz mit Beschlüssen zur Begrenzung der Erderwärmung und Treibhausgasemissionen,Finanzierung des Klimaschutzes und Unterstützung der Entwicklungsländer. Anders als das Kyoto-Protokoll gelten diese Beschlüsse für alle Unterzeichner der UN-Klimarahmenkonvention, also auch für China. China bestätigte in Cancún ersmals seine Rolle als größter Verursacher von Treibhausgasen. Ein Meinungsquerschnitt von Marie-Luise Abshagen.

Meinungen der chinesischen Blogger reichen von einer nüchternen Analyse der Schwierigkeiten einer Lösung des Klimaproblems durch die UN-Konferenz, bis hin zur Betonung der Fortschritte Chinas im Bereich von klimafreundlichen Technologien.

Der Finanzexperte Yi Peng rät, das Ergebnis der Klimakonferenz in Cancún nicht zu überschätzen, sondern es im Kontext des Scheiterns des letzten Gipfels in Kopenhagen zu analysieren.

可以说这种小突破表明了坎昆会议是一种逢低反弹,让全世界重拾对联合国主导的多变谈判机制的信心,重拾面对气候变化挑战的信心。但也必须清醒的看到坎昆这种逢低反弹,是基于哥本哈根峰会惨败的对比上的。而对原则的坚持,不能说是有突破,而只能说没有倒退。各国出于重拾信心的想法,刻意的追求小同,而没有就大异进行直接摊牌。于是,妥协和含糊成为了坎昆会议的决议的主旋律。

Der kleine Durchbruch [in den Verhandlungen] verdeutlicht, dass die Klimakonferenz in Cancún ein Zurückfedern aus dem Tief mit sich gebracht hat, und der ganzen Welt seine Zuversicht in den von den UN geführten, instabilen Verhandlungsmechanismus und in die Auseinandersetzung mit dem Klimawandel zurückgebracht hat. Aber wir müssen Cancún auch sachlich betrachten, dieses Zurückfedern, diesen Kontrast im Hinblick auf die absolute Niederlage des Kopenhagener Gipfels. Was das Festhalten an den Grundsätzen [des Gipfels] betrifft, kann man keineswegs von einem Durchbruch sprechen sondern lediglich von keinem Rückschritt. Weil alle Nationen wieder zuversichtlich gestimmt sind, verfolgt man die kleinen Gemeinsamkeiten gewissenhaft und legt nicht gleich die Karten auf den Tisch, die die großen Unterschiede aufzeigen. Kompromiss und Verworrenheit bildeten somit das Leitmotiv des Konferenzbeschlusses.

Er weist aber auch darauf hin, dass gegenseitiges Misstrauen zur Stärkung von gefährlichen Verschwörungstheorien über die Dominanz der Industrienationen führen kann.

而这种各方表现出来的自私,也给了各方诞生低碳阴谋论的土壤,尤其在发展中国家阵营。在这些发展中国家的阴谋论者看来,目前热炒的气候变化、低碳都是发达 国家出于自身利益而刻意炒作出来,用意就是阻碍发展中国家发展。不可否认,这种低碳阴谋论流传甚广,甚至成为了发展中国家在参与坎昆气候谈判过程中,死活不肯做出任何让步的重要指导思想。这种低碳阴谋论危害不浅,可以说已经成了阻碍全球团结一致应对气候变化的重要力量之一。

[Der] Egoismus, den alle Seiten zeigen, bildet den Nährboden für die CO2-Verschwörungstheorie, insbesondere bei bestimmten Gruppen in Entwicklungsländern. Laut diesen Verschwörungstheoretikern wird die gegenwärtige heiße Diskussion um den Klimawandel und CO2 von den Industrieländern aus Eigeninteresse bewusst gefördert mit der Intention, die Entwicklungsländer in ihrem wirtschaftlichen Fortschritt zu hemmen. Es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass diese Verschwörungstheorie sehr weit verbreitet ist und dass sie für die Entwicklungsländer im Verhandlungsprozess des Klimagipfels sogar den Leitsatz bildete, sich unter keinen Umständen auf Kompromisse einzulassen. Diese Verschwörungstheorie ist nicht nur oberflächlich gefährlich, sondern man kann sogar sagen, dass sie zu einem der wichtigsten Hindernisse der weltweiten Verbundenheit gegen den Klimawandel geworden ist.

Der Wirtschaftswissenschaftler Cao Rongxiang wiederum betont den notwendigen Zusammenschluss Chinas mit anderen Schwellen- und Entwicklungsländern beim Klimaschutz, um sich gegen den Einfluss der Industrieländer zu behaupten.

以中国为代表的”基础四国”成为国际气候谈判的一极,既是被迫,也是主动所致。被迫者,缘于中国等新兴国家经济的高速发展、人民生活水平的日益提高以及温 室气体排放的急剧增加。排放过快增长,难免成为发达国家的替罪羊和推卸责任的借口。主动者,是中国等”基础四国”捍卫自身正当利益所致。无论是从经济发展 水平还是历史排放、人均排放来说,中国等发展中国家都不应承担强制的减排责任,尤其是不能承担”总量减排”的义务,因为这等于限制了发展空间。[…] 面对发达国家的咄咄逼人、蛮横无理,中国等新兴国家必须要团结起来,共同应对发达国家的挑战。在坎昆会 议上,有关减排责任的分担、透明度问题,是中国等新兴国家面对的沉重压力,也是必须在作出适度让步的基础上全力捍卫的正当权益。

Als ein Vertreter der vier BASIC-Staaten bildet China, aus Zwang sowie aus eigener Initiative, einen Pol der internationalen Klimaverhandlungen. Der Zwang begründet sich durch die schnelle Entwicklung Chinas und der anderen Schwellenländer, den ständigen Anstieg der Lebenserwartung und die rasche Zunahme der Treibhausgasemissionen. Letzteres ist für die Industrienationen unausweichlich zum Sündenbock geworden und zum Vorwand sich ihren Verpflichtungen zu entziehen. Die eigene Initiative wiederum beruht auf der Verteidigung eigener berechtigter Interessen Chinas und der BASIC. China und andere Entwicklungsländer sollten sich nicht zu Emissionsreduktionen zwingen lassen, ganz gleich, ob sich diese auf das Niveau der wirtschaftlichen Entwicklung, historische Emissionen oder die Pro-Kopf-Emission beziehen. Das gilt insbesondere für die Verpflichtung zu einer „Gesamtemissionsreduzierung”, welche mit einer Einschränkung des Entwicklungsrahmens gleichzusetzen ist. […] China und die anderen Schwellenländer müssen sich zusammenschließen, um sich der Aggressivität und der unzumutbaren Irrationalität der Industrieländer entgegenzusetzen und sich gemeinsam der Herausforderung der Industrienationen stellen. In Cancún sahen sich China und die anderen Entwicklungsländer mit der Aufteilung und transparenten Gestaltung der Emissionsreduzierung konfrontiert. Außerdem ging es darum, die eigenen Interessen auf der Grundlage eines angemessenen Kompromisses mit aller Kraft zu verteidigen.

Der Blogger mangrove findet es schwierig, ein Urteil über Erfolg oder Misserfolg der Konferenz zu fällen.

本次坎昆气候会议存在着诸多的两面性:一方面,坎昆会议可在一些具体议题上达成共识,从而使人类在共同应对气候变化的努力取得一定成绩;另一方 面,坎昆会议又难以在《京都议定书》第二承诺期和减缓气候变化的目标问题上取得实质性进展,不可能达成全面性协议。[…] 最终,《京都议定书》第二承诺期对发达 国家的减排承诺在本次《坎昆会议》中并没有给出具体的量化指标。[…] 现在看来,一方面,坎昆会议使全球气候谈判回归正常轨道;另一方面,坎昆会议又很难为明年的南非德班会议铺平道路。与此同时,坎昆气候大会未能 完成”巴厘路线图”的谈判。这意味着,明年南非谈判任务将十分艰巨。

Beim Klimagipfel in Cancún konnte man zwei Aspekte betrachten: Einerseits konnte auf der Konferenz ein Konsens zu einigen Themen erreicht werden und die Menschheit dadurch in ihrem gemeinsamen Bemühen gegen den Klimawandel einen gewissen Erfolg verbuchen. Andererseits wurden in der zweiten Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls und bei den Zielfragen zur Verlangsamung des Klimawandels kaum wesentliche Fortschritte erzielt. Es ist unmöglich, eine allumfassende Vereinbarung zu treffen. […] Letztlich wurde hinsichtlich der Verpflichtungen zur Emissionsreduzierung der Entwicklungsländer gemäß der zweiten Verpflichtungsperiode keine Mengennorm aufgestellt. […] Momentan scheint es, dass der Klimagipfel in Cancún zwar die weltweiten Klimaverhandlungen wieder auf ihre ursprüngliche Bahn zurückgebracht hat und mit großer Mühe den Weg für die Verhandlungen im südafrikanischen Durban nächstes Jahr geebnet hat. Zugleich hat man es aber nicht geschafft, die Verhandlungen der „Bali-Roadmap” zu vollenden. Das bedeutet, dass die Verhandlungsaufgabe in Südafrika sich extrem schwer gestalten wird.

 

Blogger kevin weist darauf hin, dass viele Probleme des Klimaschutzes in Cancún nicht gelöst wurden.

这一协议被广大媒体建设性的评价为”具有一定的构架”作用,但是离我们解决全球气候变化问题的核心目标还相去甚远。第一,全球温室气体排放大国仍旧没有设定减排上限;第二,各国之间也没有建立应对气候变化基金来帮助贫穷国家获得更多的清洁技术和援助;第三,没有专项资金来帮助全球保护森林。

Diese Abmachung wurde zwar in den Medien allgemein positiv bewertet – sie habe eine „gewisse rahmengebende” Funktion – allerdings ist sie vom Hauptziel, der Lösung des weltweiten Klimaproblems, noch weit entfernt. Erstens haben sich die Länder mit hohen Treibhausgasemissionen immer noch nicht auf Ziele bei der Emissionsreduzierung geeinigt, zweitens wurde keine Stiftung gegen den Klimawandel gegründet, die armen Ländern mehr sauberen Technologien und Unterstützung bieten könnte und drittens gibt es keine Sonderfonds zum Schutz der Wälder.

Für Blogger ranruikui gilt es besonders, die bedeutende Rolle Chinas im Klimaschutz zu betonen.

中国在气候变化谈判中变得更加自信源于其出色表现。过去5年,中国采取强有力的措施强化节约能源和提高能效,加快产业结构调整,关闭高能耗小火电和钢铁企业,大力发展新能源和可再生能源。2009年中国新增风电装机容量、在建核电规模、太阳能光伏电池产量位居世界第一。截至2009年底,中国水电装机 容量及太阳能热水器集热面积位居世界第一。2009年中国新能源投资346亿美元。无疑,中国成为应对气候变化的优等生。

Dass China in Klimaverhandlungen ein größeres Selbstvertrauen hat, liegt an seinen Erfolgen im Bereich des Klimaschutzes. In den letzten 5 Jahren hat China wirkungsvolle Maßnahmen ergriffen: Intensivierung von Energieeinsparung, Energieeffizienzerhöhung, Neuausrichtung der Industriestruktur, Schließung von Wärmekraftwerken und Stahlbetrieben mit hohem Energieverbrauch und starke Förderung von alternativen und erneuerbaren Energien. 2009 war China weltweit führend im Bereich neugebauter Windenergieanlagen, beim Ausbau der Kernenergie sowie der Leistung von Photovoltaik-Batterien. Im weltweiten Vergleich hatte China bis Ende 2009 die meisten Wasserkraftanlagen gebaut und auch seine gesamte Fläche von Sonnenkollektoren war die größte. Im selben Jahr betrugen die Investitionen im Bereich alternativer Energien 34,6 Milliarden US-Dollar. Ohne Zweifel ist China ein Musterschüler im Kampf gegen den Klimawandel.

Kategorien: Umwelt. Permalink.

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