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Chinas Männer – ein Haufen hässlicher Entlein?

Männer (Flickr_wl_Creative Commons)

Bauchfrei – in China ein Klassiker, Foto: Flickr/wl (CC)

Männer sind in China eine Großbaustelle. Neben mangelnder Körperpflege sei besonders ihre Angst vor Frauen ein Problem, urteilt eine chinesische Zeitschrift und verweist auf eine Umfrage unter Ausländern. Schuld daran sind die Chinesinnen.

 

Über 700 Millionen männliche Chinesen gibt es. Schön ist aber anscheinend kaum einer. Das findet zumindest die Zeitschrift Yidu, die im August Chinas Männer auf den Seziertisch legte und kein gutes Haar an ihnen ließ. Fast die Hälfte sei übergewichtig, ihre Schultern seien zu schmal und ihre Gesichter zu rund. Sinn für Mode, Sport und Hygiene hätten nur wenige. „Sie waschen sich nicht die Haare und ihre Kleidung müffelt“, zitiert Yidu aus dem Buch „The Investigation on Chinese Men“.

 
In dieser Studie von 2009 fragt der Shanghaier Psychologe Zhang Jiehai in China lebende Frauen aus Europa und den USA, wie ihnen chinesische Männer gefallen. Über sechzig Prozent der Teilnehmerinnen hätten ein negatives Bild von ihnen, als Partner kämen sie nicht infrage. Körper und Klamotten seien dabei gar nicht mal das größte Problem, sondern ihr Verhalten und Charakter: sie seien unhöflich und keine Gentlemen. Wer auf Machos steht, wird ebenso enttäuscht, denn vor Frauen „sind sie schüchtern, ängstlich und ohne Selbstbewusstsein“, befinde eine Engländerin. Auch vor Vorgesetzten zögen sie schnell den Schwanz ein, trotz ihrer beruflichen Qualifikation: „Warum widersprechen sie ihren Chefs nicht?“ Insgesamt zeichnet Yidu ein trauriges Bild Chinas Männer, als wären sie ein Haufen hässlicher Entlein und Duckmäuser.

 

Die Männerseele kocht

 

Wie zu erwarten, erfährt dieses Urteil im Internet große Aufmerksamkeit. Einerseits applaudieren viele Nutzer und führen weitere Punkte auf, die sie an Chinas Männern stören, so wie „@shijiejihuameihaorensheng“:

 

一大多数缺乏幽默感,较呆板,不够外向。Die meisten haben keinen Humor, sind recht steif und zu introvertiert.

 

Andererseits muss die Zeitschrift auch viel Kritik für diese Titelstory einstecken, dabei werfen besonders einige Baidu-Nutzer alle Netiquette über Bord. „rsf0396“ bleibt sachlich und zweifelt an, ob die Befunde überhaupt zu verallgemeinern sind:

 

一中国有几亿男人?而作者看到几个?认识多少中国男人?Wie viele Männer gibt es in China? Und wie viele davon haben die Autoren gesehen? Wie viele von Chinas Männern kennen sie?

 

Bei anderen kocht die Männerseele, verletzter Stolz und Chauvinismus speisen so manchen Kommentar. Dass sich Yidu ausgerechnet auf die Meinung von Ausländerinnen stützt, kommt besonders schlecht an. „Was wissen die schon?“ ist oft zu lesen und denkt sich auch „LSYABCKKK“:

 

一不喜欢中国男人别在中国待啊?没人求你们,只不过别一经济危机又没脸没皮的回国。Warum seid ihr noch da, wenn euch Chinas Männer nicht gefallen? Hat euch ja keiner drum gebeten. Kommt aber bei der nächsten Wirtschaftskrise bloß nicht zurückgekrochen.

 

Schuld sind anscheinend die Frauen. Auch „okmingtianyijiu“ wehrt sich gegen die Schlappschwanz-These, die für viele ein besonderer Aufreger ist:

 

一文化不同,无法进行比较,在中国,你对领导大声说话试试,饭碗不想要了?不要忘了这是在中国!Kulturen sind verschieden, das kann man nicht vergleichen. Wenn du in China deinen Vorgesetzten kritisierst, bist du schnell den Job los. Nicht vergessen: Wir sind hier in China!

 

Dessen Bildungssystem trage große Mitschuld an der Furcht vor Chefs, meint „yixieshiwanli“. Nur Noten seien wichtig, andere Fähigkeiten würden vernachlässigt. Selbstbewusstsein könne sich so kaum entwickeln. Und um ihr Aussehen könnten sich Chinas Männer allein schon deswegen nicht großartig kümmern, weil sie so viel arbeiten müssten. Das schreibt „wodiaomei1314“ und erklärt, warum sie das täten: Um es zu dem Wohlstand zu bringen, der sie für Chinas Frauen überhaupt erst interessant mache. Auch „yanxiaochou“ glaubt, dass sich die meisten Chinesinnen bei der Partnerwahl nur von materiellen Wünschen leiten ließen.

 

一有钱你就是爷爷,没钱你就是孙子,有钱,你当街撒尿,你女人也会说你尿的姿势帅,就这么简单Hast du Geld, bist du der Größte; hast du keins, bist du nichts. Hast du Geld, dann kannst du auf die Straße pinkeln und deine Frau würde immer noch sagen, wie gut du dabei aussiehst. So einfach ist das.

 

Der Mensch sei eben das Produkt seiner Umwelt, erklärt “w735488797“. Und diese Umwelt ist den Körpern Chinas Männer gnädig gestimmt. Yidu weiß das auch und konstatiert:

 

一中国男性不在乎自己的外表,是因为中国女性对男性的外表没有要求。Chinas Männern ist ihr Aussehen egal, weil es für Chinas Frauen keine Rolle spielt.

 

 

Zum Weiterlesen
Oliver Pöttgen: Am Wesen der Chinesen – Was China der „Qualität“ seiner Menschen wegen tun sollte (Übersetzung), chinaschau.de, 19.04.2014

 

Kategorien: Kultur, Tags: , , , . Permalink.

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