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Kooperation und chinesischer Entwicklungsweg – Rückblick auf Präsident Xi Jinpings Europareise

Xi Jinping

Präsident Xi Jinping mit dem Präsidenten des Europaparlaments Martin Schulz, 31.03.2014. © European Union 2014 – European Parliament

Vom 22. März bis 1. April 2014 bereiste der chinesische Staatspräsident Xi Jinping Europa. Seine Reise führte ihn in die Niederlande, Frankreich, Deutschland und Belgien, wo er als erster chinesischer Staatschef das Europaparlament besuchte. Auf der Tagesordnung standen diverse Abkommen und Treffen mit hohen Würdenträgern.

 

Zusammenarbeit und Verständnis: Offizielle Version

 

Bei seiner Reise ging es dem Präsidenten insbesondere um die Stärkung der chinesisch-europäischen Beziehungen; immerhin ist Europa der wichtigste Handelspartner der Volksrepublik. Dies verdeutlichte er in seiner abschließenden Rede im Europakolleg im belgischen Brügge.

 

(…) Wir hoffen, mit unseren europäischen Freunden eine Brücke der Freundschaft und Zusammenarbeit auf dem eurasischen Kontinent zu errichten. Wir wollen gemeinsame Anstrengungen zum Aufbau von Frieden, Wachstum, Reform und Bildung unternehmen und eine umfassende strategische Partnerschaft mit verstärktem globalem Einfluss begründen.(…) 我们希望同欧洲朋友一道,在亚欧大陆架起一座友谊和合作之桥。我们要共同努力建造和平、增长、改革、文明四座桥梁,建设更具全球影响力的中欧全面战略伙伴关系。

 

Gleichzeitig warb er jedoch auch für die Akzeptanz des chinesischen Entwicklungsweges.

 

(…) Um die chinesisch-europäischen Beziehungen voranzutreiben, müssen beide Seiten ihr Verständnis füreinander vertiefen.(…) Nur wenn man versteht, woher ein Land kommt, kann man sich vergegenwärtigen, weshalb es heute so und nicht anders ist und erkennen, dass es sich in Zukunft in diese und nicht in jene Richtung entwickeln wird. (…) China kann das politische System und Entwicklungsmodell eines anderen Landes nicht vollständig kopieren, ohne Anpassungsschwierigkeiten oder sogar katastrophale Folgen zu riskieren. (…)(…) 为了把中欧关系推向前进,中方需要加深对欧洲的了解,欧方也需要加深对中国的了解。(…)只有了解一个国家从哪里来,才能弄懂这个国家今天怎么会是这样而不是那样,也才能搞清楚这个国家未 来会往哪里去和不会往哪里去。(…) 中国不能全盘照搬别国的政治制度和发展模式,否则的话不仅会水土不服,而且会带来灾难性后果(…).

 

Stolz unter chinesischen Netizens

 

Viele Internetnutzer zeigen sich stolz über den Europabesuch des Präsidenten. Vor allem dessen herzlicher Empfang wird als Zeichen der Anerkennung und globalen Relevanz Chinas empfunden. Dabei schwingt mitunter die Ansicht mit, dass es zunehmend Europa ist, welches sich China andienen muss. Netizen „Fuli Dunhuang“ schreibt:

 

Der hochoffizielle Empfang in jedem Land zeigt, dass der Besuch Chinas überall willkommen ist und erwartet wird. (…)各国高规格的接待,也表明了欧洲各国对中国访问的欢迎和期待。(…)

 

In einem weiteren Kommentar fährt er fort:

 

(…) China ist mit großem Selbstvertrauen vorangeschritten. Der schlafende Löwe China ist erwacht und besucht Europa als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. (…)(…) 中国以高度的自信走出去,中国这头睡狮已经醒来。中国以世界第二大经济体的身份访问欧洲. (…)

 

Gleichzeitig werden die ausschließlich friedlichen Absichten Chinas betont. So meint Weibo-Mitglied „Kleiner Bibliotheksmeister“:

 

Präsident Xi hat auf seiner Europareise das positive Image eines friedlichen Landes aufgebaut und für China Verständnis, Freundschaft und Respekt gewonnen.习主席访欧(...)树立了一个和平大国的良好形象,也为中国赢得了理解、友谊和尊重。

 

Mahnung: Das Ziel ist noch nicht erreicht

 

Trotz allem Stolz bemerken Netizens, dass China noch einen weiten Weg vor sich habe. So ist User „DQ Erlesene Jade“ der Meinung:

 

Durch die Reise von Präsident Xi sollten wir auch erkennen, dass Wirtschaftskraft nicht gleichbedeutend mit umfassender nationaler Stärke ist. China ist bereits die weltweit zweitstärkste Volkswirtschaft, aber wir haben in Bereichen wie Wissenschaft und Technik, Management oder Fachausbildung noch Defizite. (…) China holt auf, muss jedoch weiterhin hart arbeiten.通过习主席访欧,我们也应该看到,经济实力强了并不完全代表综合国力的强大,中国已经成为世界第二大经济体,然而我们在科学技术、管理理念、人才培养等方面都存在短板。(…)中国已经在加速追赶,中国还需努力。

 

Auch könne man viel von Europa lernen und sollte die Kooperation suchen, wie „Toushi chehuo maozi“ bemerkt.

 

Obwohl Europas Wirtschaftswachstum langsamer als das Chinas ist, sind die europäischen Länder immer noch die Vorreiter unter den entwickelten Nationen. Sie besitzen in Wissenschaft und Technik, Elektronik sowie Innovation umfangreiche Erfahrung. Präsident Xi hofft, dass sich unser China weiter entwickelt. Es müssen also Gemeinsamkeiten gesucht, Differenzen zurückgestellt und eine gemeinschaftliche Entwicklung angestrebt werden.欧洲虽说经济发展没有中国那么快,但是他们仍然是老牌的发达国家,在科技、电子、创新方面很有心得, 习大大也是希望咱们中国也可以得到更多的发展,这就是求同存异、共同发展。

 

Kritik an der Ansicht des Präsidenten

 

Die Aussage Xis, China könne kein kulturfernes System übernehmen, erntet hingegen teils harsche Kritik. So kommentiert Weibo-User „Xiang Wang“ ein Präsidenten-Zitat von Netizen „Wang Jianguo“.

 

Warum funktioniert es in Hong Kong und Taiwan? Gehören diese etwa nicht zu China? Dass ein Mehrparteiensystem vor einhundert Jahren nicht erfolgreich gewesen ist bedeutet doch nicht, dass es heute nicht erfolgreich sein könnte! Außerdem wäre es ohne den Egoismus einer einzelnen Partei vielleicht schon längst gelungen!为什么香港、台湾行的通?难道他们不是中国的一部分吗?多党制,一百年前没有成功,不代表现在不能成功!再说,要不是个别党派的私心,多党制也许早成功了!

 

Netizen „Gott ist mit mir“ antwortet wiederum mit der Frage:

 

Der Sozialismus wurde nicht übernommen? Das hast du wohl vergessen.社会主义不是搬来的?没记性。

 

Während man sich also bezüglich der positiven Entwicklung der chinesischen Außenpolitik weitgehend einig ist, scheiden sich an der Innenpolitik die Geister. Es ist indes eine Fortführung des Kurses der Volksrepublik in beiden Bereichen zu erwarten.

 

 

 

 

Zum Weiterlesen

 

Xi als erster Staatschef Chinas zu Gast bei den EU-Institutionen“, Deutsche Welle, 31.03.2013.

 

Florian Gathmann, Maximilian Kalkhof und Philipp Wittrock: „Chinas Präsident Xi in Deutschland: Lächeln aus sicherer Distanz“, Spiegel Online, 28.03.2014.

 

Margot Schüller und Nele Noesselt: „Xi Jinping – Garant des Wandels?“, tagesspiegel, 24.03.2014.

 

Xi Jinpings vollständige Rede im Europakolleg, China.org, 04.04.2014. (Englisch)

 

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