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Patient attackiert Arzt – Probleme im Gesundheitssystem werden drastisch sichtbar

Auch Ärzte haben es in China nicht leicht © Jackhsiao via Wikimedia Commons

Auch Ärzte haben es in China nicht leicht © Jackhsiao via Wikimedia Commons

Die Beziehung zwischen Ärzten und Patienten ist in China seit Langem angespannt. Auch kommt es bisweilen zu Attacken von Patienten gegen Ärzte. Nachdem ein 33-jähriger Patient, der unzufrieden mit dem Ergebnis einer Nasen-OP war, am 25. Oktober 2013 einen HNO-Arzt erstochen hatte, Ist die Lage wieder angespannter. Chinas Netizen diskutieren.

 

Diese tödliche Attacke ist kein Einzelfall. Ende März 2012 kam ein Assistenzarzt aus Harbin durch die Hand eines Patienten ums Leben. Woher kommen Hass und Wut auf Ärzte?

 

Schwerer Zugang zu medizinischer Versorgung

 

Netizen „langsam bewegende Wolke“ reagiert auf die tödlichen Attacken wenig überrascht. Für ihn sind die Hindernisse gerade für Chinesen, die auf dem Land leben erheblich.

 

Besonders in den abgelegenen Gebieten haben die Menschen ihr Vertrauen in die sogenannten angesehenen Spezialisten in den großen Krankenhäusern (der Städte) verloren. Wegen der großen Entfernung und der schlechten finanziellen Lage der Bauern, müssen sie sich lange auf einen Arztbesuch vorbereiten. (…) Auch vor Ort muss man oft noch tagelang auf ein Arztgespräch warten. Wenn man endlich bei einem dieser angesehenen Spezialisten an der Reihe ist, (…) verbringt dieser meist nur ein paar Minuten bei den Patienten, die viele Tage auf ihn gewartet haben. Kein Wunder, dass solche Patienten die Ärzte hassen (…).特别是在偏远的农村,有了病都会很迷信所谓的大医院和专家名医。但是偏远的地方加上家庭条件的制约,为看病 要准备很长时间,(...)甚至为了挂个专家号还得等上几天,终于可算是 见到所谓的名医专家时,(...)几分钟就把好几天等待的病人给打发了。对于这样的患者来说,他们何以不是对这 些医生恨之入骨(...) 呢?

 

Mit guter Technik ausgerüstete Krankenhäuser gibt es fast nur in den Städten. Für Netizen „ein Schwarzer auf der Holzbrücke“ haben sie faktisch ein Alleinrecht inne, dem die Patienten bei jedem Arztbesuch ausgesetzt sind.

 

In Wahrheit sind die großen Krankenhäuser ein Monopol. (…) Manche betrachten sich selbst sogar als „eine mächtige Behörde“. (…). So ist für die Patienten und die Angehörigen bei jedem Arztbesuch mit Schikanen zu rechnen.实际上大医院处于相对垄断的地位。(...) 一些医院自觉不自觉的把自己当成了“衙门”。(...) 患者及家属看一次病就意味着饱受一次折腾。

 

Korruption in der Medizin belastet Patienten zusätzlich

 

In China sind die Patienten die Haupteinnahmequelle einer medizinischen Einrichtung. So versuchen manche Ärzte, teure Rezepte auszustellen. Außerdem verlangen einige das im Dienstleistungssektor übliche Trinkgeld, das in roten Briefumschlägen überreicht wird. Zahlen sie dieses Geld nicht, werden die Patienten nachlässig behandelt. Netizen „Schweinezüchter“, der Medizin studiert hat, beschreibt ein Beispiel seines Kommilitonen.

 

Bei einem ehemaligen Kommilitonen und Mitbewohner wurde ein bösartiger Tumor diagnostiziert. Er musste sich (sofort) einer OP unterziehen. (…) Die OP wurde aber immer wieder verzögert. (…) Als er dann seinem Arzt einen roten Umschlag überreicht hatte, teilte ihm eine Krankenschwester sofort mit, dass er schon in zwei Tagen operiert werden könnte.大学同寝室一同学查出恶性肿瘤,需要动手术。(...) 手术一再延期. (...)红包一出,果然立竿见影,当天就有护士来通知后天手术。

 

Ein unbekannter Netizen spricht gar von unnötigen Untersuchungen und Krankenhausaufenthalten, die er selbst erlebt habe.

 

Ich habe bei einem Autounfall jemanden leicht verletzt. Er hatte lediglich geringe Schürfwunden. (…) Das Krankenhaus wollte ihn aber stationär behandeln. Er wurde rund um die Uhr von einem EKG-Monitor überwacht. Es wurden vier Untersuchungen durch Computertomographie durchgeführt, fünf Mal wurde er geröntgt und der Verband drei Mal am Tag gewechselt. (…) Die Behandlung hat mehr als 10.000 Yuan (ca. 1.300 Euro) gekostet. (…) In den Augen der Ärzte gibt es nur noch Geld.我轻微交通事故撞了人,对方皮外伤,(...) 去医院竟然要求住院,而且医院恬不知耻的用了24小时心电监护,做了4次ct,拍了5张x光片,1天竟然换药 3次,(...)医药费用了1万 多. (...)在他们眼里只有钱.

 

Verhältnismäßig niedrige Löhne für Ärzte

 

Für die Korruption der Ärzte nennt ein Netizen aus Peking die Niedriglöhne als Ursache.

 

Das jährliche Einkommen (von Ärzten) beträgt ohne Provisionen der Medikamentenverschreibungen und Einnahmen durch die „roten Umschläge“ gerade einmal umgerechnet 6.000 Euro. (…) Mit dem Geld haben sie sogar Probleme die Familie zu ernähren (…). So haben sie gar keine andere Wahl als die Patienten zu betrügen.如果他们老老实实地光领工资,没有药品回扣没有红包的话,一年工资估计也就5万元钱左右,(...)养家都成问题。(...)只能靠医生忽悠病人。

 

Das chinesische Gesundheitssystem wird seit der Öffnungspolitik Ende der 1970er Jahre nicht mehr vom Staat finanziert. Haupteinnahmequelle ist daher die Behandlung der Patienten. Zu der ohnehin finanziell schwierigen Lage vieler Patienten kommt der von den Krankenversicherungen verlangte Eigenanteil, der bei mindestens 40 Prozent liegt. Sollte die Belastung der Patienten und die Korruption in der Medizin nicht abgebaut werden, so wird der Konflikt zwischen Ärzten und Patienten auch in Zukunft kein Ende finden.

 

 

 

 

Zum Weiterlesen

 

Demo nach tödlicher Attacke auf Arzt in China“, RP Online, 28.10.2013.

 

Alice Yan: „Harbin doctor’s killing highlights problem for hospitals“, SCMP, 02.11.2012.

 

Miranda Shek: „Growing number of attacks on staff show cracks in healthcare system“, People’s Daily, 27.03.2012.

 

Kategorien: Gesellschaft, Politik, Tags: , , , , . Permalink.

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