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Zwei nahe liegende Jahrestage lassen chinesische Blogger "alter Geister" beschwören und diskutieren.
Zum einen geht es um den 70. Jahrestag des Endes des "Langen Marsches" ['Rückzug' der Roten Armee vor den Truppen Chiang Kai-sheks von Zentral- nach Nordchina; heute zentraler Mythos der Kommunistischen Partei Chinas als Symbol für Widerstandsfähigkeit und Stärke]
Zum zweiten steht der 70. Todestag des Schriftstellers Lu Xun [gilt als Begründer der modernen chinesichen Literatur im Zuge der anti-traditionalistischen "Vierten-Mai-Bewegung"; Lu Xun kritisierte u.a. den konfuzianischen Elitarismus und eine gesellschaftliche Ethik der Apathie, Unterwürfigkeit und Gefühlskälte] im Mittelpunkt des Interesses.
Ein Blogger im Netease-Forum stellte sich diese Frage und thematisierte in seinem Essay vor allen Dingen die Widersprüchlichkeit von Boykottaktivitäten gegenüber Japan.
Der Autor, ein gewisser Titan, der auf einer eigenen Webseite regelmäßig über China und Japan schreibt, stellt zunächst fest, dass China Japan sehr widersprüchlich gegenüber steht. Auf der einen Seite stünden die vielseitigen Wirtschaftsbeziehungen, auf der anderen Seite die patrotischen Gefühle, die einem zu Boykottaktivitäten gegenüber Japan treiben.
"Große Touristenströme sind das neuste Exportprodukt Chinas - 'Chinesen', das ist zu einem Synonym für 'unkultiviert' und 'unhöflich' geworden." - So beginnt ein Artikel der chinesischen Wochenzeitung "Nanfang Zhoumo" (Südliches Wochenende).
Der Verfasser des Artikels berichtet weiter:
Das Kulturbüro der KP und das staatliche Tourismusbüro haben am 22. September 2006 zehn "unkultivierte Verhaltensweisen chinesischer Touristen im In- und Ausland" veröffentlicht, das Kulturbüro der KP will nun in den nächsten drei Jahren einen Plan bezüglich der "Qualitätsverbesserung zivilisierter Verhaltensweisen chinesischer Touristen" erarbeiten, um die "Soft Power" der Volksrepublik zu stärken. Gerüchte, dass unkultiviertes Verhalten von chinesischen Touristen möglicherweise mit einem Reiseverbot bestraft werden könne, wiesen die verantwortlichen Stellen allerdings zurück.
Nach einer Umfrage des "China Human Resources Development Network" sind die meisten Chinesen mit ihrer Arbeit nicht zufrieden.
- mehr als 60% sind der Ansicht, dass das Verwaltungssystem und die Abläufe am Arbeitsplatz nicht angemessen sind
- mehr als 50% sind mit ihrem Gehalt nicht zufrieden
- mehr als 50% sind mit den Beförderungsmöglichkeiten nicht zufrieden
...so lautet der Titel einer Umfrage des chinesischen Webportals Netease (Wangyi), die noch bis zum 11.Oktober läuft.
Die Optionen und Zwischenergebnisse:
- Nein, denn als Chinese fehlt es an menschlicher Würde (39%)
- Nein, denn in China kann ich mir es nicht leisten eine Wohnung zu kaufen, das Glück ist sehr fern von mir (17,1%)
...so vielstimmig sind die Reaktionen auf chinesischen Blogseiten.
Dagegen taucht der 11. September auf der Blog-Startseite der großen Webportale Sohu und Sina gar nicht auf.
Jedoch finden sich im Nachrichtenteil von Sina zum Bericht über die Gedenkfeiern in den USA zahlreiche Einträge.
"Ich bin sehr traurig zu entdecken, dass hier [in diesem Forum] so viele Leute mit einer Kalten-Kriegs-Mentalität schreiben, alle das Produkt einer gescheiterten Erziehung/Bildung. (...) Ich verstehe echt nicht, warum einige Leute sagen, das [der 11. September] sei eine gerechte Strafe. die US-Regierung ist die Regierung, die Leute im World Trade Center waren unschuldige normale Leute! Wenn Ihr diese grundlegen Frage nicht versteht, wie könnt Ihr dann über Weltpolitik diskutieren? (...) Redet nicht immer davon dass sie zur benachteiligten Bevölkerung gehören. Sie sind benachteiligt, deshalb können sie mit Zivilflugzeugen in Häuser rasen? Frauen und Kinder, die zu den Benachteiligten in der Gesellschaft gehören, die können also morden und Feuer legen?
Ich will nicht zu viel sagen, mit Euch zu reden, ist wohl Perlen vor die Säue werden, aber [meine Gefühle] zu unterdrücken, da fühle ich mich nicht wohl. 5 Jahre 11. September, der Opfer schweigend gedenken, den Terrismus scharf kritisieren!"
So lautet ein Eintrag um 17.00 (Beijing-Zeit) am 11.9.2006 des Bloggers "nordöstliche Ananas" (Dongbei luobo).
http://comment4.news.sina.com.cn/comment/skin/default.html?channel=gj&newsid=1-1-10974495&style=0, Zugriff am: 11.9.2006.
Anlässlich des 30. Todestages von Mao Zedong (9.9.1976 in Beijing gestorben) veranstaltet Sina.com eine Onlineumfrage "Mao Zedong in Deinen Augen und in Deinem Herz", bis dato haben rund 19.000 User an der Umfrage teilgenommen.
1. Welchen Aspekt von Mao Zendong verehren Sie am meisten?
- hervorragende militarische Führungskraft: 35,38%
- herausragendes politisches Geschick: 24,98%
- kraftvolles Charisma: 24,83%
- eloquente Gedichte und Kalligraphie: 10,26%
- einfaches Leben: 4,58%
Vom 24.7. bis 15.8.2006 hatte Xinhua zur Beteiligung an einer Online-Umfrage über die ideelle Einstellung der Bevölkerung aufgerufen, laut Statistik der Umfrage kamen rund 750.000 Personen dieser Aufforderung nach.
Die Teilnehmer sind überwiegend Männer zwischen 18-25 bzw. 45-55 Jahren mit einem B.A.-Abschluss und "aus den Massen", was ihren politischen Hintergrund betrifft (in Abgrenzung zu "Kadern", "Mitgliedern des Kommunistischen Jugendverbandes" und "Mitgliedern der Demokratischen (Block)Partein)"). Der Kreis der Teilnehmer umfasste größtenteils Studenten, Staatskader sowie Angestellte in Joint Venture-Unternehmen; sie verdienen zwischen 5.000 und 30.000 Yuan (ca. 500-3000 EURO) jährlich.
An den statistischen 1. Teil schließt sich ein inhaltlicher Teil an, in dem Aussagen bewertet werden sollten.
1. Das Ziel des Lebens ist es ist, nach persönlichem Glück zu streben.
- Stimme zu: 6,26%
- Stimme nicht zu: 93,17%
- Schwer zu sagen: 0,57%