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China zur Zeit des UN-Klimagipfels 2015: Auf dem Gipfel der Smog-Belastung

Wenn sich die Luftverschmutzung in Peking verschlimmert, wird es für die Bewohner der Stadt zunehmend ungemütlich. © Steven Zhang via Flickr

Wenn sich die Luftverschmutzung in Peking verschlimmert, wird es für die Bewohner der Stadt zunehmend ungemütlich. © Steven Zhang via Flickr

In Paris fand im Dezember 2015 die UN-Klimakonferenz statt. Währenddessen war Chinas Norden von einer giftigen Abgasschicht überzogen. Chinas Netizens begegnen den Umweltproblemen mit Solidarität, Angst und Humor.

 

 

Anfang 2015 veröffentlichte der Regisseur Jia Zhangke seinen Kurzfilm Smog Journeys. Kurz darauf zeigte Filmemacherin Chai Jing in ihrer Dokumentation Under the Dome das volle Ausmaß der Luftverschmutzung in China. Beide Filme wurden nach kurzer Zeit von der Zensur aus dem chinesischen Internet verbannt.

 

Viele chinesische Stadtbewohner müssen jedoch keineswegs erst ins Internet gehen, um zu erkennen, wie ernst die Situation ist. Obwohl die Kommunistische Partei China (KPCh) versucht, der Lage durch Gesetzesänderungen und Umweltschutzinitiativen Herr zu werden, ist die Luft dennoch in vielen Städten an manchen Tagen so verschmutzt, dass sie von der WHO als giftig eingestuft wird.

 

Ausgerechnet während des Welt-Klimagipfels in Paris versanken Peking und andere chinesische Großstädte im Smog. Zu dieser Zeit war die Luftverschmutzung so schlimm, dass die Regierung die höchste Alarmstufe ausrief. Schulen und Kindergärten blieben geschlossen. Wer konnte, ging nicht aus dem Haus. Wenn die Menschen auf die Straße gingen, dann mit Atemmasken.

 

Internetnutzer kommentieren die Luftverschmutzung

 

Für Weibo-Nutzer Nur Gucken – nicht kommentieren gehen die politischen Maßnahmen an der Lebenswirklichkeit in China vorbei:

 

Zur Geburtenkontrolle bekommt man kostenlose Kondome! Warum geben die von der Luftverschmutzung stark betroffenen Städte nicht kostenlose Atemschutzmasken aus? 既然计划生育可以免费发放避孕套!为什么雾霾严重城市不给市民免费发放雾霾口罩?!

 

So wie dieser Netizen äußern sich auch viele andere Chinesen zu den Umweltproblemen auf Weibo eher pragmatisch. Acancancan Park ruft seine Mitbürger auf:

 

In den letzten zwei Tagen ist die Luftverschmutzung in Nanjing sehr bedenklich. Bitte tragt alle Atemmasken, wenn ihr raus geht. […]南京这两天雾霾严重,大家出门记得戴口罩哦 (…)

 

Manche jedoch greifen noch zu ganz anderen Maßnahmen. Weibo-Userin Die Jahre ziehen vorbei wie Pendelverkehr flüchtet sogar aus Peking. Sie will der Luftverschmutzung entgehen:

 

Ich werde Peking in kürzester Zeit verlassen. Ich muss der Luftverschmutzung entkommen. Damit muss ich auch mein jetziges, erfüllendes Leben hinter mir lassen. Ich will nicht!转眼间将要离开北京,要走出雾霾,也要脱离出 现在的惬意自在生活,老子舍不得 舍不得

 

In den sozialen Netzwerken finden sich auch kritische Statements. Dabei stammen einige der politischen Äußerungen von regierungstreuen Netizens. Genosse Zhou Xiaoping, der in seinem Social- Media-Profil angibt, Mitglied der staatstreuen Organisation All-Chinesischer Jugendbund zu sein, erläutert:

 

Das Problem der Umweltverschmutzung muss gelöst werden. Aber zunächst muss die Politik auf die Lebensverhältnisse und -bedürfnisse der Menschen eingehen. Danach müssen wissenschaftliche Kontrollen durchgesetzt werden. Das Ganze wird nicht einfach und es wird ein Massaker an der industriellen Basis anrichten. […]环境污染问题必须解决,但治理过程必须先照顾到中国老百姓生产生活和生存的实际需求,然后进行科学的治理,而不是一窝蜂地对着基础工业滥杀无辜。(…)

 

Die chinesische Regierung befindet sich in einem Dilemma. Einerseits muss etwas gegen die Umweltverschmutzung getan werden, andererseits kann sie die Produktionsbedingungen in der Wirtschaft und die Wertvorstellungen der Menschen nicht schlagartig verändern.

 

Klimagipfel im Smog

 

Angesichts der akuten Smogprobleme trat die Diskussion über die auf dem Klimagipfel beschlossenen Maßnahmen in China also eher in den Hintergrund. Dennoch äußerten sich einige Netizens zu dem Thema. Dass der auf der UN-Klimakonferenz getroffene Beschluss, die globale Erwärmung auf maximal zwei Grad zu beschränken, in China etwas bewirken wird, darauf hofft Netizen Oh du grazile Blume:

 

[…] Der Weltklimagipfel ist gerade zu Ende gegangen. Bleibt zu hoffen, dass er nicht nur eine effektlose Tagung war, denn der Klimawandel ist eines derjenigen weltweiten Probleme, die sehr dringend einer Lösung bedürfen. Ich hoffe, dass nachfolgende Generationen noch das türkisfarbene Meer und den blauen Himmel sehen und frei durchatmen können werden…前几天全球气候峰会才刚刚结束,希望不只是开会,这是世界性的需要紧急解决的问题。我只希望我们的后代还能见到碧海蓝天,还能自由畅快的呼吸...

 

Um vielleicht beim nächsten Klimagipfel noch mehr zu bewirken, empfahl Netizen Der spekulierende Bauer und sein Freund zur Zeit der schlimmsten Luftverschmutzung in Peking sarkastisch:

 

Peking sollte den Welt-Klimagipfel ausrichten.北京应该主办的大会是全球气候峰会。

 

So hatten Social-Media-User unterschiedliche Arten, mit der bedrohlichen Lage in China zur Zeit des Klimagipfels umzugehen. Während einige sich beschwerten, spotteten andere lieber. Außer dem Surfen im Internet und dem Schreiben von humorvollen Kommentaren haben die Menschen in den betroffenen Städten aber anscheinend auch noch andere Möglichkeiten gefunden, sich während des Smog-Alarms die Zeit zu vertreiben. Medienberichten zufolge stieg in den betroffenen Städten in der Zeit der schlimmsten Luftverschmutzung der Kondomabsatz auf der chinesischen Online-Shoppingseite Taobao.

 

 

Zum Weiterlesen:

 

Petra Kolonko: „Nach dem Smog ist vor dem Smog“. FAZ-Online, 10.12.2015.

 

Yong Yang: „Smog in China verdichtet sich – Wer trägt die Schuld?“, Stimmen aus China, 08.04.2014.

 

Zeit-Online (fortlaufend): Thema: Luftverschmutzung

 

Zum Weiterschauen:

 

TOXIC: Linfen, China. (Dokumentation) 

 

 

„China matters: Ein Informationsportal für die Zivilgesellschaft“, mit freundlicher Unterstützung durch die Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen

„China matters: Ein Informationsportal für die Zivilgesellschaft“, mit freundlicher Unterstützung durch die Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen

Kategorien: Umwelt, Tags: . Permalink.

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