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HIV-Infizierte Kinder in China – Ausgestoßen aus Angst

HIVKind

Dorfbewohner, unter ihnen der Großvater von Kunkun, unterzeichnen den Aufruf zur Vertreibung des Jungen © Screenshot Florian Jung

Den etwa 510.000 HIV-Infizierten in China wird nicht selten mit Misstrauen oder gar Angst begegnet. Unter ihnen sind Experten zufolge auch 8.000 Kinder unter 14 Jahren. Am 18. Dezember 2014 erregte nun ein Bericht über die geplante Vertreibung eines HIV-infizierten Kindes die Gemüter der chinesischen Netizens.

 

Der achtjährige Kunkun wuchs bis vor kurzem bei seinem Großvater in einem kleinen Dorf im Kreis Xichong in der südwestchinesischen Provinz Sichuan auf. Als bei ihm nach einer Augenverletzung im Jahr 2011 das HI-Virus diagnostiziert wurde, wuchs im Dorf die Beunruhigung vieler Bewohner, andere Kinder und selbst der eigene Vater wandten sich von ihm ab. Auch alle Schulen im Umkreis weigerten sich, ihn als Schüler aufzunehmen.

 

Die Sorgen der Menschen gipfelten in einer Dorfversammlung am 07. Dezember 2014, bei der mehr als 200 Teilnehmer einen öffentlichen Aufruf zur Vertreibung Kunkuns beschlossen. Die Geschehnisse werden intensiv diskutiert.

 

Unmenschliches Verhalten

 

Xianfengjun dou Yuhou” verurteilt die Aktion der Dorfbewohner scharf und warnt vor psychischen Folgen für Kunkun.

 

Ihr habt die Verzweiflung in seinem Leben noch weiter verschärft. Selbst wenn ihr Dorfbewohner euch fürchtet, könntet ihr doch beratschlagen, wie sich ein Bleiben realisieren ließe und ihn nicht einfach per Aufruf vertreiben! Was seid ihr für Menschen?给孩子本来就绝望的的人生雪上加霜,就算你们村民害怕,也可以商量解决孩子的去留,而不是联名驱逐,你们的人性呢.

 

Auch „Ach du meine Güte” bringt seine Fassungslosigkeit deutlich zum Ausdruck.

 

Kann man auch die mehr als 200 Dorfbewohner vertreiben?可以驱逐那200多位村民吗?

 

HIV-Schulen – gut für alle Beteiligten?

 

Verkündung einer göttlichen Gnade – Rebecca” hingegen äußert Verständnis für die Sorgen der Menschen im Dorf und macht einen im Netz nicht unpopulären Vorschlag.

 

Man sollte für Kinder mit ansteckenden Krankheiten eine eigene Schule errichten. Dort könnten sie einerseits ihre Krankheit behandeln lassen und sich andererseits dem Lernen widmen. Das ist gut für die Kinder! Ohne eine solche Schule ist das eine Qual für die kranken Kinder und eine nicht minder große Qual für die Gesunden. Oft ist die psychologische Belastung viel größer als die Belastung, die die Krankheit mit sich bringt. Ich wünsche mir sehr, dass sie alle glücklich und gesund aufwachsen können!有传染病的孩子应当设立专门学校,一方面治病,一方面学习,对于孩子来说是好事。否则对于有病的孩子是伤害,对于没病的孩子也是很大的伤害。很多时候心理的伤害会远大于疾病带来的伤害。真心希望能让所有的孩子们都快乐健康的成长。

 

Tatsächlich gibt es seit 2006 die „Linfen Rote-Schleife-Schule” in der Provinz Shanxi, die ausschließlich mit dem HI-Virus infizierte Schüler verschiedener Klassenstufen aufnimmt. In einem Interview mit der KP-nahen Zeitung The Beijing News, erklärt der Büroleiter der Schule, Qiao Jiping乔吉平, die derzeit 28 Schüler hätten größtenteils an keine andere Schule vermittelt werden können und hätten deswegen an seine Schule kommen müssen. Prinzipiell seien öffentliche Schulen allerdings vorzuziehen, da diese die Integration der Kinder in die Gesellschaft erleichterten.

 

Rettung nach medialem Druck

 

Inzwischen hat die lokale Regierung auf die große mediale Aufmerksamkeit reagiert und unterstützt Kunkun nun mit Medikamenten und psychologischer Betreuung. Weiterhin wurde er an einer öffentlichen Schule angemeldet, in der er besondere Unterstützung bekommt.

 

Diese Entscheidungen werden überwiegend positiv aufgenommen, auch wenn nicht selten wie bei „Gemächlich dahinschreitende VICKY” Zweifel über die Beständigkeit der Maßnahmen anklingen.

 

Jetzt ist die Frage nur, wie lange das anhält. Die Ansichten der Dorfbewohner um ihn herum werden sich nicht verändern und Kunkun wird weiterhin diskriminiert und ausgestoßen werden. Ich hoffe nur, die Regierung hält, was sie verspricht und hat die Kraft, sich um dieses bemitleidenswerte Kind zu kümmern. Es geht ja nicht nur um Fragen des Lernens und der Medikamente. Zwischenmenschliche Wärme und nicht mehr alleine zu sein, ist genauso wichtig.能持续多久? 周围村民的思想不改变,坤坤还是会受到歧视和孤立,希望政府说到做到,真正有能力照顾好这个可怜的孩子,不单单是读书,医疗问题的解决,要让孩子感觉到人与人之间的温暖,不再孤独。

 

Eine Frage, wie kann man Faulenzeritis heilen?” sieht die Wurzel allen Übels in fehlender Aufklärung.

 

Ich hoffe, die Versprechungen werden auch umgesetzt und dem Kind wird geholfen. Am wichtigsten ist doch, dass die Menschen über AIDS aufgeklärt werden und darüber, wie sie sicher mit AIDS-Erkrankten umgehen. Wir dürfen ihn nicht in der Dunkelheit leben lassen.希望说到做到,给予孩子帮助,最重要的是,让群众了解艾滋,知道如何和艾滋病人正常安全的相处,别让他活在黑暗里。

 

 

 

Zum Weiterlesen

 

Lisa Krauss: „Verbannung von HIV-Infizierten aus Badeanstalten: Neuer Vorschlag sorgt für Diskussion”, Stimmen aus China, 24.10.2013.

 

Annette Langer: „China: Dorfbewohner wollen HIV-positiven Jungen vertreiben”, Spiegel Online, 18.12.2014.

 

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