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Der Ausbau ist sicher – Atomenergie und Reaktorsicherheit in China

Der Ausbau ist sicher – Atomenergie und Rektorsicherheit in China

Das Erdbeben in Japan hat einen Anti-Atomkraft-Tsunami in Deutschland ausgelöst. China hält dagegen daran fest, die Kernkraft weiter auszubauen. Viele Netizens sind allerdings gegen den hastigen Expansionskurs der Regierung.

 

Unsere AKWs sind „State of the Art“

 

Der Blogpost von laner2009 gibt die offizielle Position der Kraftwerksbetreiber zur chinesischen Reaktorsicherheit wieder.

 

Nach dem Erdbeben in Japan gaben die China National Nuclear Corporation (CNNC) und der China Guangdong Nuclear Power Group (CGNPG) bekannt, dass die Erdbebenmessung für chinesische Atomkraftwerke keinen Alarm ausgelöst hat. Beim Entwurf chinesischer Anlagen würden bereits Erdbeben und andere mögliche Naturkatastrophen berücksichtigt. An den zukünftigen Atomstrom-Plänen der großen chinesischen Energiekonzerne ändert das Erdbeben in Japan nichts. Die neueren Projekte der chinesischen Kraftwerksbetreiber seien im Gegensatz zu den betroffenen japanischen Kraftwerken der zweiten Generation alle mit der modernerer Sicherheitstechnik der dritten Generation ausgestattet, so der General Manager der China Power Investment Corporation, Lu Qizhou. Das Hauptproblem der älteren Technik wäre, dass der Kühlwasserkreislauf nach einer Notfallabschaltung mit Reservestrom betrieben würde. Bei den neuen chinesischen Kraftwerken hingegen seien mehrere Kilotonnen Wasser direkt über dem Reaktor gespeichert, die allein mit der Schwerkraft in den Reaktor gepumpt werden können. „Bildlich gesprochen: Das Sicherheitssystem funktioniert wie ein Wasserkloset“, sagt Lu Qizhou. „Alle neuen chinesischen Reaktoren werden mit dieser Technik gebaut.“


Man sagt, unsere Atomkraft sei sicher

 

Blogger hairel kann die offiziellen Sicherheitsbekundungen nicht ganz glauben. Hier ein zusammengefasster Auszug:

 

Die drei Sätze, die ich in den letzten Tagen am häufigsten gelesen habe, sind: „Unsere Kernkraft ist sicher“, „Unsere Strahlungswerte liegen unter dem internationalen Standard“ und „An unserer Entschlossenheit, den Atomstrom in China auszubauen, wird sich nichts ändern“. Aus der Lektion Japans haben die nichts gelernt. Japan wurde damals von einer Atombombe getroffen und hat deswegen ein besonders ausgeprägtes Atom-Sicherheitsbewusstsein. Japans Atomtechnik ist weltweit erstklassig. Und trotzdem ist Radioaktivität ausgetreten.

 

Auch wenn unsere Technik auf dem Stand der Industriestaaten ist: wie sollen wir mit ein paar Überwachungsgeräten deren Sicherheit gewährleisten? Oder haben wir vielleicht eine Geheimtechnik, von der der Rest der Welt nichts weiß? Das Kraftwerk in der Daya Bucht hatte auch mal einen Störfall, wahrscheinlich ist nur wegen dieser Geheimtechnik keine Radioaktivität ausgetreten. Ich bin ja auch sehr stolz und froh, dass wir diese Geheimtechnik haben, und dass wir daher selbstbewusst sagen können, unsere Atomkraft sei sicher. Nur, die Japaner haben auch nicht gedacht, dass Erdbeben oder Tsunamis eine Gefahr für ihre Atomkraftwerke darstellen. Dann wurden sie von der Realität grausam eines Besseren belehrt. Zu sagen, unsere Atomkraft in China sei sicher, ist Ironie. Wenchuan hat gezeigt, wie sicher unsere Standards für Schulgebäude sind. Das Schneechaos zeigt, wie verlässlich unser Stromnetz ist. „Aber zum Glück“, sagen die Verantwortlichen, „kommt so ein Erdbeben der Stufe Acht und so ein Schneechaos nur alle 100 Jahre vor“. So können sie die Verantwortung vollständig von sich weisen. Und wenn was passiert, sagen sie: „Damit haben wir auch nicht rechnen können“, und dann verfrachten sie Kind und Kegel ins Ausland in Sicherheit. Bis heute ist Atomkraft nicht sicher, und wenn etwas passiert, dann ist das Drama groß. Verstrahlung kann die Menschheit bis zu 24.000 Jahren beeinflussen, wie zum Beispiel in Tschernobyl! Anlagen mit so einem Risiko sollten nur begrenzt gebaut werden. Unser Land ist groß, man kann auch Windkraft, Wasserkraft, Solarenergie und Gezeitenkraft ausbauen. Da kann so etwas nicht passieren.

 

Menschliches Versagen und Naturkatastrophen: Zwei Argumente gegen den Atomausbau

 

Blogger Chaozhong Zhuixun (Übersetzt etwa: Die Supermassen verfolgen)  ist gegen den Ausbau der Atomenergie in China, zumindest solange er so blind und unkontrolliert läuft wie heute. Hier eine Zusammenfassung:

 

In China gab es Ende 2010 elf laufende Atomreaktoren.* Jedes Jahr sollen dazu zehn neue Reaktoren gebaut werden. Bei 23 Provinzen, 5 Autonomen Regionen und 4 direkt regierten Städten in China heißt das, dass in fünf Jahren jede Provinz im Schnitt 2 Atomkraftwerke haben wird. Oder anders gesagt: Jeder menschliche Fehler und jede Naturkatastrophe könnte zwei Atombomben pro Provinz auslösen.

 

Zu erst zum menschlichen Versagen, weil ich dem Qualitätsverständnis meiner Landsleute kein Bisschen traue. Macht mal alle die Augen zu und denkt nach. Was ist denn heute noch sicher? Melaminverseuchte Milch, künstliche Hühnereier, pflanzenschutzmittelbelastetes Gemüse; Brücken brechen zusammen, direkt nach ihrer Inbetriebnahme; Die Ingeneure des Drei-Schluchten-Staudamms haben statt dicken Stahlstreben Dünne verwendet. Jeden Tag kommt was Neues ans Tageslicht. Wenn bei der Herstellung all dieser lebenswichtigen Dinge derart betrogen wird, wieso sollte dann nicht beim Bau von Kernkraftwerken betrogen werden? Alle, die jetzt hitzköpfig reagieren, sollten eigentlich eines kennen: die chinesische Mentalität. In der chinesischen Geschäftskultur werden Qualität und Sicherheit immer hinter Kostenminimierung, Profit und sogar Korruption gestellt. Erst im August 2010 wurde der Generaldirektor der CNNC wegen Korruption verhaftet, weil er sich bei Ausschreibungsverfahren für Kraftwerksbauprojekte grob gesetzeswidrig verhalten hat. Das macht den hastigen Ausbau der Kernkraft in China noch besorgniserregender.

 

Jetzt zu den Naturkatastrophen. Seit dem Tsunami 2004 ist uns bewusst geworden, dass die Erde in eine „aktive“ Phase eingetreten ist. Die Erdbeben in Wenchuan, Haiti, Yunnan und Japan haben uns vor Augen geführt, wie klein der Mensch im Angesicht der Naturgewalten ist. Keiner weiß, wo das nächste Beben stattfindet. Kommt mir nicht mit seismographischen Prognosen. Ich habe mir solche Erdbebenprognosen selbst mehrmals angeschaut. Es gibt keine keine zuverlässigen wissenschaftlichen Frühwarnindikatoren. Beobachtungen von abnormalem Verhalten bei Tieren und Expertenwarnungen sind auch keine Vorzeichen für ein kommendes Erdbeben, sondern Anzeichen dafür, dass die Erde bereits bebt – und dann weiß man noch nicht einmal wo.

 

Die Zerstörungskraft von Erdbeben ist verheerend. Aber obwohl eine solche Naturkatastrophe unmittelbar Menschenleben zerstört, kann ein zerstörtes Kernkraftwerk schlimmere Folgen haben als zehn heftige Erdbeben zusammen. Für den Wiederaufbau von Wenchuan brauchen wir zwei Jahre, aber es dauert über 100 Jahre bis Radioaktive Strahlung abgebaut ist und die katastrophalen biologischen Auswirkungen beseitigt sind.

 

Ja, wir brauchen Strom, aber wir müssen nicht in jeder Provinz ein eigenes Kernkraftwerk bauen. Zu einem gewissen Grad geht es hier um Wettstreit und um Gesichtsverlust. Du hast eines, ich will auch eines haben. Im Großen geht es um Elektrifizierung der Provinz und die Stärkung der Wirtschaft, im Kleinen geht es um politische Erfolge. Vor zehn Jahren waren Vorstellungen vom Einstieg ins Atomstrombusiness noch Luftschlösser. Pie in the sky. Jetzt sind die Listen von Firmen, die sich auf Bauausschreibungen für Kernkraftwerke bewerben, zwei Seiten lang. Eines Tages werden wir aufwachen und sehen, dass wir das ganze Land mit Atombomben zugepflastert haben. Wenn dann ein Erdbeben passiert, werden wir feststellen, dass die eigentliche Katastrophe anthropogen ist. Deshalb muss die Kontrolle des Atomkraftausbaus zentralisiert werden und nicht dezentral über das ganze Land verteilt sein. Wir brauchen einen nationalen Plan für den Ausbau. Und wir müssen neue Energieerzeugungsformen vorantreiben (Fusionskraftwerke).

Reaktor-Fehler sind wie ein Aggressor, wir sind die Verteidiger. Wenn der Aggressor einmal versagt, macht das nichts, er hat unendlich viele Versuche. Aber wir Verteidiger müssen jedes Mal erfolgreich sein. Wenn ich mir meine Landsleute so ansehe, braucht der Aggressor bei uns nicht viele Versuche. Beim Wenchuan Erdbeben haben wir gesehen, wie es um die Qualität unserer Gebäude bestellt ist. Ich habe schon vor zwei Jahren gesagt, dass unser blinder Atomausbau noch ein bitteres Ende nehmen wird. Wir dürfen nicht erst anfangen nachzudenken, wenn die Katastrophe passiert. Dafür ist sie einfach zu groß.

 

* [A.d.Ü.] Hier eine Liste der 11 aktiven Kraftwerke gemäß Blogeintrag (teilweise mit Kürzel der Betreiberfirmen). Eine weitere Liste über Atomreaktoren in China mit ganz anderen Angaben findet sich bei Wikipedia:

1. Das Qínshān Kraftwerk in Haiyan, Zehjiang (CNNC)

2. Das Dàyà Kraftwerk in der Dàyà Bucht, Guangdong (CGNPG)

3. Das Lǐngào Kraftwerk an der Westküste der Dàyà Bucht, Guangdong (CGNPG)

4. Das Tiánwān Kraftwerk in Liányúngǎng, Jiangsu (CNNC)

5. Das Hóngyánhé Kraftwerk in Dàlián, Liaoning (CNGNPG)

6. Das Níngdé Kraftwerk , Fujian (CGNPG)

7. Das Yángjiāng Kraftwerk, Guangdong

8. Das Sānmén Kraftwerk

9. Das Hǎiyáng Kraftwerk, Shandong

10.Das Fangjia Kraftwerk

11. das Xiánníng Kraftwerk, Hubei

 

 

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Ein Kommentar zu Der Ausbau ist sicher – Atomenergie und Reaktorsicherheit in China

  1. diese seite ist so qaiiiiil ich kanns garnicht glauben *-*

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